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Tongatagebuch 1 - Tongatapu


Geschrieben von Tom   
Tuesday, 22. April 2008
  • Nuku Alofa, Tongatapu - 6.-12.3.2008

Daddy, daddy - es ist schon nach 21 Uhr als unser Pacific Blue Airbus auf dem Tarmac des internationalen Flughafens von Tonga zum stehen kommt. Der Asphalt glaenzt im Scheinwerferlicht, eine warmer und feuchter Wind heisst uns in der Suedsee in Willkommen - Daaddyy, daaddyyy. Wir laufen quer ueber das regennasse Vorfeld, nehmen unmittelbar dahinter das satte Gruen wahr - welch ein Unterschied nach fast 3 Monaten brau und grau Toenen in der Suedaustralischen Natur. Es geht hier in Tonga gegen das Ende der Regenzeit zu, die Wahrscheinlichkeit einen Taifun zu erleben ist in diesen Monaten am hoechsten - entsprechend waren wir im fast leeren Flieger aus Sydney mehr oder weniger die einzigen Palangis...umgeben von heimkehrenden Islander und Islanderinnen. Auf der Terasse des Flughafengebaudes stehen Kinder und heissen mit lauten Gebruell ihre von Uebersee kommenden Daddys wissen, dass sie vermisst waren.... Daaddyy, Daddy!


ankunft in Tonga 


Wieder in einer anderen Welt, nach ueber 9 Monaten Australien und Neuseeland sind wir erneut in einem Entwicklungsland gelandet. In einem Land wie die Philippinen, das hauptsaechlich davon lebt, dass die vielen Tonganer die im Ausland arbeiten moeglichst viel ihres verdienten Geldes nach Hause senden. Das Flughafengebaude ist klein und schmucklos - nur praktisch muss es sein. Die Toiletten kann man schon einiges vor der Tuere riechen. Zoellner und Immigrationbeamten begruessen uns freundlich, verlangen jedoch als erstes unsere Rueckflugbestaetigung - oh 50 days in Tonga... you must extend your visa in Nuku Alofa. Malo e Leilei


Sandra erinnert sich an ihre Fidj Ferien vor 15 Jahren - alles war on Islandtime - wundert sich ob unser Hosteltransport denn ueberhaubt hier sein werde oder ob der erst morgen kommt, oder gar nicht. Umso erstaunter sind wir als nach dem Bagageckeck ein dicker, im Islanderrock bekleideter Tonganer ein Schild mit der Aufschrift "SanTom" entgegenstreckt. Das klappt ja... haben sie sich entwickelt? Oder aber... den wahren Grund fuer seine Puenktlichkeit werden wir erst nach mehreren Tagen in der von uns gebuchten Heileila Lodge herausfinden.  Nach 30 Minuten Fahrt, wir haben inzwischen die Hauptinsel Tongatapu durchquert, kommen wir dann auch dort an. Wir werden von der Chefin in Empfang genommen und zu unserem Zimmer gefuehrt - ohne Einchecken, Adressangabe, Bezahlung oder aehnlichem sinken wir in unser Bett.


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65 Paanga - rund 40 Schweizerfranken - soll dieses Zimmer kosten... ufff das ist ja Abriss denken wir am naechsten Morgen. Die Matraze besteht aus einem Stueck Schaumstoff, die Waende sind duenn, die Dusche und WC superklein aber wenigstens sauber - also das ist sicherlich zuviel denken wir uns... in Asien kriegt man fuer dieses Geld ein Luxuszimmer... wenigstens ist ein Fruehstueck inklusive. Wir laufen durch den tropischen und sehr gepflegten Garten zum Restaurant unserer Lodge - ueberall sind Schildchen an den Pflanzen angebracht - Mangobaum, Papaya, Vanille, Brotfrucht, Bananen, Hibiskus, usw sind fein sauberlich indexiert. Diese Lodge gehoert sicher nicht einem Tonganer laecheln wir zueinander. Der Anblick des Fruehstueckes bestaetigt es uns weiter - ein grosser, frischer tropischer Fruechteteller, hausgemachte Papayamarmelade, Toast, Kaffee alles garniert mit einer frischen Blume - trotzdem sehen wir hier nur Einheimische. "Um 10 Uhr will ich euch eine kleine Stadttour geben, damit ihr wuesst wo was ist, macht euch bereit" meint die Chefin zu uns. Wir sehen nichts besonderes, werden auf die leeren Parzellen inmitten des Staedchens aufmerksamgemacht "das ist ein Ueberbleibsel der Riots im Jahre 2006". Wir erkunden danach noch etwas die Stadt und meinen die 4km zurueck zum Hotel koennen wir dann locker spazieren...Nur die starke Sonne und die grosse Hitze haben wir nicht in Betracht gezogen - ufff ist das eine Qual, wir sind durch und durch verschwitzt, unsere rechte Koerperseite ist rotgebrannt - wir idioten, sind ja ueberhaubt nicht ans Reisen gewoeht... in der Mittagshitze...als ob wir's nicht besser wuessten. Was wir definitiv nicht erwartet haetten ist der Verkehr... die Insel ist ca 30 x 40 km gross und die Autos stauen sich auf den Strassen... jeder Insulaner scheint eines zu haben und macht wenn immer moeglich keinen Schritt zu Fuss - das waere ja auch noch... die Regierung stellt Plakatwaende auf "walk for your health" doch dann wuerde man ja noch duenner und das entspricht ueberhaupt nicht dem Schoenheitsideal. Ausserdem hat ja jede Familie hier mindestens ein Familienmitglied irgendwo in der Welt draussen arbeitend - die schicken dann das Geld nach Hause und was eignet sich besser dem Nachbarn zu zeigen, dass man es gemacht hat als ein Auto - sind wir hier wirklich im Paradies oder nennt man das Entwicklungshilfe?


Tonga 


Wir sind froh in unserem schoenen Garten einen kleinen Swimmingpool vorzufinden, setzen uns danach unter den Mangobaum und beginnen damit Kristinas Kaertchen durchzuarbeiten. Sie hat von einem Verleger den Auftrag erhalten eine sexuelle Variante des Spieles "Beziehungskiste" zu kreieren. Wir duerfen fuer sie die fast fertigen Kaertchen durchdiskutieren, auf Verstaendnis ueberpruefen und unsere Kommentare dazu rueckmelden - dies wird uns auch in den naechsten Tagen immer wieder beschaeftigen, damit wir das moeglichst bald per Skypecall an Kristina und Claude rueckmelden koennen. 


Wir entschliessen uns noch einige Tage in unserem Heileila Hotel zu bleiben - es ist schoen hier, der Deal stimmt alles in allem und wir haben - das erste Mal auf der ganzen Reise - gratis wifi internetzugang im Zimmer. So kann ich unseren kurz vor Abreise in Adelaide gekauften Asus EEE PC einrichten, Linux etwas besser kennenlernen und wir koennen per Skype den einen oder anderen unserer lieben zu Hause trotz 12h Zeitverschiebung endlich wiedermal erreichen.


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Am Samstag geht es auf den Markt, auch hier nichts besonderes, nichts originales, viel billigen Chinaplastik - doch wenigstens kann man aus einer Ecke raus die Menschen beobachten.


Sonntag - der heilige Tag in Tonga. Nicht ist erlaubt, selbst autofahren strengstens untersagt, nur in die Kirche und zurueck darf man. Taxis duerfen ebenfalls Passagiere nur zur Kirche oder von der Kirche nach Hause bringen. Tonganer duerfen nicht zum Beach, duerfen nichts arbeiten, duerfen nicht Fahrrad fahren, nur Kirche, Essen, Schlafen, Kirche, Essen, Schlafen und mehr Essen ist erlaubt. Ein jahrhunderte altes Dekret... spoettische Stimmen meinen dass nur deshalb es die Missionare endlich schafften die Kannibalen zu frommen Kirchengaengern zu konvertieren. Wir haben die schoenen Gesaenge schon an mehreren Kirchenabenden unter der Woche von unserem Hotelzimmer aus gehoert und wollen es nun aus naechster Naehe miterleben. Die Kings Church - eine free welysichen Church - soll sich dafuer am besten eignen, meint die Chefin, "da seht ihr wahrscheinlich noch den Koenig. Aber zieht euch anstaendig an!" Wir haben beide noch unsere Longji aus Myanmar dabei und ernten damit approval fuer anstaendige Kleidung.


Kirchengesaenge 



Kirchengesaenge sind schon von weither zu hoeren, die Kirche ist bis auf den letzten Platz belegt, rammelvoll und die Messe hat noch nicht mal begonnen. Wir naehern uns, sofort kommen uns zwei beleibte Tonganerinnen entgegen:" go to the other side... special place for expats". Im Schiff der grossen nicht sonderlich schmucken Kirche duerfen wir Palangi uns setzen und ueberschauen den Maedchenchor, der mindestens zweidrittel der Kirche fuellt. Ploetzlich erscheinen uniformierte im Eingangsbereich und wenig spaeter setzt sich ein ebensodicker Tonganer mit geflochtenem Rock vis-a-vis von uns ins Kirchenschiff - seine koenigliche Hoheit. Es folgt eine Messe - in tonganisch - mit viel singen, immer wieder spricht eine andere Frau etwas ins Mikrofon und nur einmal bekommt ein Mann das Wort. Es ist bruetend heiss, trotz allen Ventilatoren auf Fullpower spueren wir keinen Wind und das ewige auf- und wieder absitzen laesst uns den Schweiss aus allen Poren laufen. In unseren Laendern waere ein Pfarrer ein Held eine Versammlung vor sooooo vielen zuhoerern zu haben, denken wir uns und sind froh als es endlich vorueber ist und wir wieder frische Luft atmen koennen. Wir entschliessen uns den Nachmittag mit einer verbotenen Aktivitaet zu verbringen - Bike mieten und an den Beach fahren.


verbotenes baden 


Passfotos anfertigen, tonganische Drivinglicense beantragen, weiterreise organisieren, Visum verlaengern dann endlich moechten wir uns einen frischen Fruchtsaft goennen. Wir verstehen die Welt nicht, sind im "Paradies" ueberall waechst alles, doch finden wir kein Restaurant, das frische Fruchtsaefte im Programm hat - "solly we only have canned fluightjuice, no flesh" heisst es ueberall. (wie die Asiaten koennen auch die Tonganer das "R" nicht ausprechen und setzen ein "L" anstelle). Als wir dann endlich eines finden wird es von zwei englischen Weltreisenden betrieben die auf unsere -weshalb- Frage nur meinen, das wuerde ja bedeuten, dass die Tonganer jeden Tag auf den Fruechtemarkt gehen muessten, und dafuer sind sie zu faul....


Fuer den naechsten Tag haben wir zusammen mit einem Paerchen Deutschen aus dem Hotel ein Auto gemieteet und fahren einmal um die Hauptinsel Tongatapu rum... Blowholes, Chrstianity Landing Place, usw 130km reichen um die gesamte Insel auf der Kuestenstrasse zu umrunden - keine Straende wie im Paradies sind hier zu finden!!! Sind wir doch nicht im Paradies gelandet...?


Tonganiesches Stonehedge


end einige Touristen..nichts fuer SanTom... so entschliessen wir uns auf die Ha'apai Insel zu fahren. Wir erhalten jedoch unterschiedliche Aussagen... im Hotel heisst es die Faehre brauche 12h und die Ueberfahrt sei rauh, die Frau im Flugbuero bestatigt dies uns, wenn wir aber bei der Faehrgesellschaft nachfragen heisst es dass jeden Dienstag eine Faehre nur 6 Stunden braucht und voellig harmlos sei. Am Hafen suchen wir jedoch vergebens nach dem Schiff und spaeter, wir haben den Flug schon gebucht, erfahren wir, dass die Faehre seit Wochen gar nicht faehrt, defekt... aber wie andere Nationen koennen die Tonganer auch nicht nein sagen und wahrscheinlich deshalb haetten wir diese Information erhalten.


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