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Tongatagebuch 2 - Ha'apai und Eua

Geschrieben von Tom
  

Wednesday, 23. April 2008
  • Pangai, Lifuka - 13 + 14.3.2008


Flug nach LifukaEine zweimotorige chinesische Maschine bringt uns in die Ha'apai Inseln. Der Flug ist ein spektakel, waehrend der Kaptiaen die Motoren anlaesst zeigt der schwitzende Kopilot auf die Safety on Board Karte und murmelt etwas auf tonganisch. Spektakulaere Ausssichten auf dutzende kleine Inselchen, Korallatolle und Lagunen haben wir waehrend den naechsten 40 Minuten. Vielleicht finden wir in diesem Teil Tongas das Paradies, das vorallem Sandra immer wieder erwaehnt - Weisser Sandstrand, tuerkisfarbenes knietiefes Wasser, tiefblauer Himmel, keine Wellen und Palmen die sich wenn moeglich schattenspenden ueber das Wasser neigen... eben wie auf den Postkarten... man sagt hier gaebe es solche zu finden.




Wie im Paradies 



Ein verlotteter Toyotataxi faehrt uns vom Flughafen ins Dorf - der Fahrer, wie viele hier in Tonga ein Mormone. Wie in den Philippinen ist diese Glaubensrichtung auch hier sehr starkt vertreten - sie bauen Kirchen, Schulen, usw... alles super sauber und neu - wenn man in die gute Schule will "darf" man Mormone werden.



Evaloni GuesthouseWir steigen im Evaloni Guesthouse ab, ein ziemlich verlottertes Haus, doch sind wir hier sicherlich die einzigen und wir koennen etwas Kontakt zu der Familie haben. Nach einem kleinen Dorfrundgang auf dem wir sicher hundertmal freundlich angelaechelt werden - die Kinder rufen immer bye, bye Palangi - kommen wir zurueck ins Guesthouse und oh schock... da ist ja noch ein anderer Palangi. Ein komischer Kauz, der nicht gruesst ist unser Eindruck... zu dem Zeitpunkt wissen wir noch nicht, wie sich diese erste Wahrnehmung in den naechsten fast 4 Wochen fuer uns auswirken wird. Loli, ein ex DDR Mann, sitzt an einem Tisch und die ganze Familie ist um ihn, bzw. seinen offenen Laptop versammelt. Wir gesellen uns dazu und hoeren dass er schon ueber zehn Jahre auf diesen Insel lebt. Zuerst betrieb er eine Tauchschule und seit einiger Zeit managed er einen Luxusresort auf einer einsamen Insel. Rund 1500 US$ soll die Nacht dort kosten, alles inklusive, Luxus Pur - meint Loli. Er habe aber nur sehr selten Gaeste und die letzten zwei Monate seinen jeweils ein Paerchen Deutsche mit ihm mitgefahren und haetten im Kuechenhaus logiert. "Wenn ihr wollt, koennt Ihr diesesmal mitkommen. Ich fahre am Samstag nach dem Markt. Ihr muesst Euer Essen fuer 4 Wochen mitbringen, Wasser, Papaia, Limonen und frischen Fisch hat es zur Genuege. Und wenn Ihr mir 20 Paanga (14 Franken) am Tag gebt ist das ok." laesst uns Loli wissen. Wir koennen und wollen uns nicht sofort entscheiden, denn er ist ein ziemlicher Schnurri und wir haben unsere Zweifel ob wir das 4 Wochen aushalten werden... doch die Insel hat ja auch 2km Umfang, da wird es sicherlich ein ruhiges Plaetzchen geben wo wir uns verziehen koennen. Ausserdem wann kriegt man denn wieder so eine Chance, auf so ein Trauminselchen zu gelangen, mit allem erdenklichen Luxus und trotzdem voellig am Arsch der Welt zu sein. Da koennen wir auch noch etwas leiden und dem Besserwissen geduldig zuhoeren, oder? Dazu noch hat Loli uns wissen lassen, dass er fuer 4-6 Monate eine Vertretung sucht, ein Automechaniker waere ideal, der koennte dann auch Generator und Inverter reparieren, und das selbstverstaendlich gegen Bezahlung. Wir suchen ja sowieso einen Job, mit Australien haben wir ein unsicheres Gefuehl, weshalb nicht auf die Insel, alle unsere Freunde und Familien fuer gratis Ferien einladen und 6 Monate im Paradies leben... das muessen wir uns doch schon naeher anschauen...



Am naechsten Morgen lassen wir Loli wissen, dass wir dabei sind. Kaufen Reis, Pasta, Dosentomaten, usw. ein und wollen unsere Entscheidung auch noch in die Schweiz emailen... denn auf der Insel hat es ausser einem langamen und teuern Satellitentelefon nichts und einfach einen Monat ohne was zu sagen von der Erdoeberflaeche verschwinden... dann sorgen sich doch unsere Eltern. Doch Internet funktioniert nicht, den ganzen Tag und da es Freitag ist wahrscheinlich auch bis Montag nicht, denn am Weekend arbeiten die Techniker nicht. Loli sagt uns, dass wir die Mitteilung auch per kurzes Email ueber sein Iridiumphone machen koennten... don't worry. Aber morgen Samstag frueh ist der Gemuesemarkt hier... da muesst ihr morgens um 6 Uhr anstehen, damit ihr noch etwas frisches kaufen koennt. Doch bevor ist noch Mormonenparty. Hina die Tochter der Hostelbetreiberin fragt ob wir sie begleiten wuerden.... auf dem Schul- und Kircheneigenen Mormonenbasketballplatz tanzen die Islander zu ver Hip-Hoppter Inselmusik traditionelle Taenze... die urspruenglichen Melodien sind nur noch zu erahnen... bum bum bum... wie bei uns... rundherum sitzen die Inselmormonen... wie es sich gehoert in weissen Hemd, Kravatte, lange Buntfaltenhose, polierte Lederschuhe, usw.. alles sauber und besser als die anderen...so wie es die Mormonen eben sein wollen.... ist das praktisch hier auf der Insel?


 Singen anstelle Markt



So stehen wir dann noch vor Sonnenaufgang am Markt. Einem von Australia Aid gesponerten Gebaude, daneben steht ein von Newzealand Aid gesponserter Fischmarkt - doch es gibt ausser ein paar Tomaten, Yam und wenigen Bananen nichts zu kaufen ausser billigem Chinaplastik und Kleidung. Unglaublich aber wahr. wir sind hier in einem der besten Klima, die Erde ist vulkanischen Ursprungs, es ist warm - aber nie heiss, ist feucht - aber sehr selten zu feucht, alles waechst ohne viel zu unternehmen, und die Menschen bevorzugen es Buechsengemuese und Processed Food aus der sogenannten ersten Welt zu kaufen. Meistens noch mit Geld von ihren Ueberseearbeitenden Familienmitgliedern oder von irgendwelchen Hilfsbudget eines unserer Laender. Sie bauen nichts oder nur sehr wenig selber an, meinstens bei weitem nicht genug fuer die eigene Famile, dafuer essen sie Sippi importiert aus Neuseeland (das ist mehr oder weniger pures Schafsfett, das wahrscheinlich in unseren Laendern als gesundheitsgefaehrden abgetan wuerde) oder chinesische 2 minuten Nudeln oder oder oder. Spinnen wir alle auf dieser Welt?



200PS Boot nach TelekivavauSo machen wir uns auf auf die Insel Telekivavau in die Villamamana. 200 zweitakt Yamaha Bootsmotoren PS (ueber 100l Benzin pro Stunde gehen in Abgas und Propellerpower ueber) bringen uns in 1 1/2 stunden mit ueber 30 Knoten auf die Insel. Er mache diesen Trip nur einmal im Monat, weil er jedesmal rund 600 US$ an Benzinkosten produziert, sagt uns Loli. Der Besitzer - ein reicher US-Hawaianer, der den Traum seiner eigenen Insel im Pazifik sogar auf seinen Visitenkarten allen zeigt - haette besser ein 4 Takt Motor gekauft, aber Geld scheint nicht wirklich eine Rolle zu spielen. Ein Traum kostet halt eben Geld und in den USA muss man ja zeigen was man hat, auch wenn man es eigentlich gar nicht wirklich vermag. Spinnen wir? Dazu kommt noch der Lohn des Inselmanagers (3000 US$ im Monat fuer vielleicht 3h Arbeit am Tag) Wenn wir es nicht selber gesehen und erlebt haetten, dann wuerden wir uns nicht mal selber glauben, dass es sowas gibt. Gaeste hatte Loli erst 3 Mal in 1 1/2 Jahren als Caretaker und der Besitzer kommt selber maximal 2 bis 3 Mal pro jahr fuer 2 bis 3 Tage!!! 70000 US$ Unterhaltskosten pro Jahr fuer 10 Tage Ferien... man rechne selber. Aber das ist ja zum Glueck nicht unsere Sorge!!!




  • Villamamana, Telekivavau - 15.3.-6.4.2008

Villamamana


Mitten im Pazifik gibt es eine kleine Insel, behuetet von zwei weiteren Inselchen und umgeben von nichts als klarem Wasser und tuerkisfarbenen Lagunen. Weisser Strand, stahlblauer Himmel, Palmen lehnen sich ueber's Wasser wie auf den Postkarten sieht es aus hier.


Telekivavau aus der Luft 


Eine riesige, schneeweiss gestrichene Villa, zwei Schlafzimmern mit Himmelbetten, einem monstroesen Aufenthaltsraum und auslandender Veranda. Feine Moebel zieren das Haus und eine NAD Stereoanlage mit TV und DVD Player sorgen fuer Unterhaltung. Wenn man durch die Tuere schreitet und noch 10 Meter weiter geradeaus laufen wuerde waere man im kristallklaren tuerkisfarbenen Lagunenwasser. Gebonerter Tropenholzboden, ein geschnitztes tonganischer Outrigger Kanu haengt an der Wand... ufff... wo sind wir hier? Loli fuehrt uns 50 Meter weiter zum Kuechenhaus. Unser Zimmer dann etwas einfacher, immer noch ok, Mosikitonetz und einfache Schaumstroffmatraze, ein Inverter summt an der Wand und produziert 240 Volt in die Steckdosen, zwei riesige Kuehltruen werden angeworfen - um den Fisch zu gefrieren belehrt uns Loli - in diesem Raum schlaeft ihr. Er selber habe weiter hinten noch ein Cottage. Hier laesst es sich sicherlich leben, an eine so harte Schlafunterlage haben wir uns ja in der Zwischenzeit gewohnt.


feines Inselfruehstueck 


Die naechsten 23 Tage gleichen einander sehr... am morgen wartet etwas Papaia und einige Hibiskusblueten in der Kueche auf uns... wir vermischen diese mit unseren Haferflocken, pfluecken eine frische Kokosnuss von einer Palme und Fruehstuecken. Loli sitzt daneben und redet. Er liebt es uns ueber gesunde Nahrung aufzuklaeren. Als ausgebildeter Ernaehrungsberater duerfen wir viel von ihm erfahren. Nach einer weiteren Stunde geht er ueber zu Verschwoerungstheorien, motzt ueber die Amerikaner, die Juden und die Tonganer, wenn wir es bis dann immer noch nicht geschafft haben uns aus der Redeumklammerung zu loesen geht es weiter mit...... was auch immer wichtig ist nur, dass er der Beste mit dem Groessten und dem hoechsten IQ ist... haben wir es dann endlich geschafft verziehen wir uns durch den Busch auf die Suedseite der Insel. Dieser Strand ist weit genug weg vom Haus, erlaubt uns zu atmen, nackt zu baden, den Sand und die vielen Krabben und Krebse, das tuerkisfarbene Wasser, den blauen Himmel und die Suedseewinde zu geniessen und dazu viel zu lesen - paradiesisch.


In der Villamamana 


Irgendwann knurrt der Magen, so muessen wir wieder zurueck, Richtung "Zivilisation". Die riesigen Flughunde sind auch schon am Himmel zu sehen. Wir kochen uns etwas, duerfen einige Pele Blaetter zu Salat brauchen und wenn wir Glueck haben liegt alle paar Tage ein Fisch fuer uns bereit - fein sauberlich achtet Loli darauf, dass wir nur dass kriegen was er nicht wirklich gerne hat... wir moechten uns nicht beklagen... wir stellen nur fest - was fuer eine Veraenderung nach all den Monaten unserer Weltreise, wo wir immer mit ausserster Herzlichkeit und Zuvorkommenheit behandelt wurden, wo uns vielfach die armen Menschen das beste abgaben - auch gegen unseren Willen, einfach weil sie es so wollten - wo wir uns immer wieder schaemten ueber unsere selbergelebte Knausrigkeit in der Schweiz. Uns wird bewusst; die naechsten Wochen werden wir wieder unter europaeischen Grundsaetzen leben muessen - man kriegt was man bezahlt... freundlich ist man mit Fremden nur wenn man ein Geschaeft machen kann?!? Dann waehrend dem Abendessen wird Loli all das sagen, was er am morgen und am Mittag nicht loswerden konnte.... nichts neues... ab dem 3. Tag repetiert und wiederspricht es sich.... wir sitzen geduldig da, schweifen mit unsere Gedanken ab, lassen die vielen Worte von den Suedseewinden wegtragen... wir wissen ein solches Paradies muss man sich verdienen...


Villamamana by night 


Den Traum als Inselmanager haben wir in der Zwischenzeit wieder aufgegeben - fuer uns waere das mehr ein Alptraum. Wir brauchen Menschen um uns rum, wir koennen nicht 4-6 Monate auf einer Insel sitzen, auch nicht fuer 20000 US Dollar plus Spesen - da wuerden wir drauf gehen, vielleicht einander verspeisen... und wenn es auch noch moeglich waere... wir koennen nicht Boot fahren, ueber den offenen Ozean... in den rauhen tonganischen Gewaesser... das waere viel zu gefaehrlich und zu wenig Zeit es richtig zu lernen.... wir sagen ab, wissend, dass so ein Job fuer viele gestresste Menschen in unseren Breitengraden ein Traum waere... doch eben nur auf den ersten Blick...


Hai vor der Villa 


Was hat Hanibal, Broken Wings, Spiderman, Rattatui, US Marshals, Echelon, Babel, Fast and Furious, Fast Food Nation usw mit Telekivavau gemeinsam? Jeden Abend duerfen wir ins Inseleigene Kino und zusammen mit Loli "one Movie" anschauen.... keine Sandra Romantikfilme hat es im Programm... nur Mord und Totschlag muss sie sich mit anschauen.... aber wenigsten hoeren wir waehrend 90 Minuten nur die Schauspieler reden - aber der Abend ist ja noch jung nach so einem Film....ab und zu laesst uns Loli etwas von seinem selbstgemachten Yoghurt, seinem selbstgemachten Reiswein oder den Hauseigenen Pralinen kosten... herrlich, ueberraschend, so was muessen wir auch mal selber machen... und dazu erkennen wir noch, dass auch Loli eigentlich ein gutes Herz hat... einfach unter einer dicken, harten Schale sitzt es.


Wieder ist ein Tag vorbei - es bleibt nur noch uns durch den Mosiktoschwarm zurueck zum Kuechenhaus zu kaempfen, Generator abschalten und ab ins Bett.... meistens geht dann nach vielleicht einer halben Stunde wieder eine Taschenlampe an und bevor wir ungestroert schlafen koennen muessen wir noch eine Kackerlake in unserem Bett toeten - auch im Paradies gehoert das zum Weltreisen...


Die erste Woche will und will nicht vorbeigehen - wir fragen uns wie wir wohl schon vor dem naechst geplanten Shoppingtrip hier wegkommen... sind nicht sonderlich guter Laune und Mutes. Dann ploetzlich kommen zwei Besucher, ein grosser schlaksiger Deutscher (Tonga scheint in deutscher Hand... ueberall trifft man welche die schon lange hier sind) zusammen mit einem Tonganer der Insel Mango... (die am naechsten gelegen bewohnte Insel). Juhuiii... endlich etwas Abwechslung, jemand anderer zum sprechen und jemand anderer der sich bereden lassen kann. Dazu noch ein Tonganer der Nachbarinsel... vielleicht? Wir fragen ihn aus ueber Mango.. 50 Menschen leben dort, einmal die Woche eine Faehre v.a. weil z.Z. die Kirche neu aufgebaut wir... keine Guesthauser.. in eine alte Huette, nur noch einem Dach, da schlafe er seit 10 Tagen auf dem Boden, sagt und Peter der Deutsche....und einmalmehr... trotz vulkanischem Ursprung wird auch auf Mango nichts angebaut, keine Fruechte, kein Gemuese... wir haben unsere Campingausruestung in Australien gelassen... auch kein Ausweg fuer uns...


Tom and octopussy 


Am naechsten Tag zeigt mir Coli, der Tonganer, wie man Octopus jagt. Schnorchel, Taucherbrille uber das unmittel unterhalb der Wasseroberlaeche liegende Riff schnorcheln, zwei zugespitzte Eisen und gute, aber wirklich gute Augen. Als mich Coli ruft:" I have found one Octopus house", kann ich das Vieh trotzdem dass er auf ihn zeigt beim bestem Willen nicht sehen. Faszinierende Geschoepfe, passen sich in sekundenbruchteile der Untergrundfarbe an und verstecken sich in einem Loch... keine Chance fuer PalangiTom. Coli jedoch arbeitet den Tintenfisch ohne Muehe aus dem Loch raus, laesst ihn seine Tinte ausspritzen, ihn an seine Hand ansaugen und toetet ihn mit einem Stich in den Kopf. An der Beach angekommen schlaegt er mit der flachen Seite der Machete auf jedem der Tentakel fuer rund 2 Minuten... damit er essbar wird... sonst sind sie Zaeh.
Immer wieder versuche ich die naechsten Tage einen selber zu finden, schnorchle fuer Stunden uber die Riffe - ich sehe keinen einzigen. Ist wohl nur fuer Tonganer gedacht... aber das macht nichts.. ich sehe Wasserschildkroeten, viele viele Fische, Haie, Squid, supergiftige Wasserschlangen (10 mal giftiger als eine Cobra, nur sind die Giftzaehne so kurz, dass die einen Menschen eigentlich nichts machen koennen)


Coli and Tomoctopussy 


Was lauft wohl in Geraldton? Kurz vor Abreise auf Ha'apai habe ich Eric noch ueber Skype angerufen. Aufgelegt habe ich dazumal mit einem schlechten Gefuehl... wie wenn mir mein Boss nicht sagen koennte, dass es nicht klappen wird, sagte ich zu Sandra. Und nun seit 4 Wochen nichts - keine Antwort auf meine Satelitenmails, einfach nicht. Der einzige Grund weshalb wir fuer 7 Wochen nach Tonga reisten war, um Eric genug Zeit zu geben das Visum zu beantragen... was machen wir nur? Mehr oder weniger aus Verzweiflung haben wir unsere CV's in Nukualofa noch an Jenny und Fritz aus Adelaide gesendet... jetzt schreiben sie uns auf die Insel, dass sie diese an die Schule ihrer Schwester weitergeleitet haetten.... in Darwin.... die finden unsere Lebenslaufe interessant und fragen, ob wir von Tonga uber Darwin nach Adelaide reisen koennten, uns dort vorstellen wuerden..... uffff.... wir sind sooo am Arsch der Welt auf dieser Insel... koennen nichts machen.. nichts abklaeren, nichts planen, nur warten und Kokosnussmilch trinken.


Endlich ist es soweit... morgen sollte es wieder zurueck nach Pangai gehen... doch Loli verschiebt kurzfristig, merkt wohl unsere Verlangen nach Zivilisation und zeigt uns noch ein letztes Mal wer hier der Boss ist.....nochmals 4 Tage mehr... aber wenn das Wetter mitspielt dann geht es an meinem Geburi wieder retour zu den Menschen.


  • Pangai, Lifuka - 7.-9.4.2008

Das Wetter spielt mit.... mein schoenstes Geburtstagsgeschenk ist es wieder Tonganische Gesichter zu sehen... jetzt aber schnellst moeglich ins Internet, rund 50 Mails warten auf uns... darunter auch eines von Eric...bis im Dezember brauchen sie um die Arbeitgeberseite des Arbeitsvisums zu beantragen... ufff.... das ist aber sehr lange... naja mindestens haben sie nicht aufgegeben.
Dann "verstecken" wir uns in unserem bescheidenen Zimmerchen... wollen nicht mehr raus, essen Brot mit Kondensmilch als Geburiessen... aber im einzigen Restaurant der Insel sitzt sicher unser Inselkoenig... und davon haben wir genug gehabt. Wir legen uns ins Bett, reden und reden, schuetten unsere Seele einander aus und bringen unsere Beziehung wieder ins Lot... bringen uns wieder dazu uns zu fuehlen, aktiv am Leben teilzunehmen und nicht einfach alles an uns abprallen zu lassen - vieleicht waren wir einfach auch feige, haetten uns wehren muessen...?


Milika 


Die naechten zwei Tage gehoeren Milika und ihren Kindern. Sie leitet das Wittwen Handwerkerzentrum. Sandra laesst sich immer gerne inspirieren, wird sofort eingeladen einen Tonganischen Palmblaetterwebkurs mitzumachen und unterrichtet die Frauen danach mit Tips aus dem Atelier Artpiccolo. Alle strahlen! Milika und ihre Kinder sine arm, das sehen wir, doch haben wir auf unserer Reise gelernt, dass wirklich arme Menschen es sich nie getrauen wuerden fuer etwas zu fragen. Milika laesst aber selten eine Gelegenheit aus auf ihre Umstaende hinzuweisen.... die Menschen hier scheinen sich gewohnt zu sein, dass man einfach bekommt... das ist aber nicht unser Stil, veraendert das Bild des Auslaenders, veraendert aber nicht wirlich das irige Leben.... wer bekommmt muss ja nichts dafuer machen... Nein eine SanTom Spende waere falsch hier.


Ha'apai Wid Center 


Wir beschliessen zusammen zu essen, gehen mit der Familie auf den Markt, kaufen Yam fuer einen Monat und Chicken, Zwiebeln, usw. Milika kocht, auf dem offenen Feuer im Garten, Gas hat sie keines in dem von Kanada und Australien gesponorten Hilfswerksgebaude, Wasser auch nicht - der Regenwassertank wurde vergessen einzuplanen.... Die Kinder strahlen, die Mama auch, wir halten uns zurueck, essen nur ein Haeppchen sie sollens haben. Sandra will mithelfen das Handwerkbusiness in Schwung zu bringen, schlaegt Milika vor ein Plakat zu kreieren und es in den Gaesthauser anzuschlagen, sie ist begeistert, fragt ob wir es nicht in englisch fuer sie schreiben koennten... so macht Sandra auch gleich eine tonganische Artpiccolo Kursausschreibung nach den Wuenschen der handwerklichen Wittwen, gibt Geld um es 10-20 mal zu kopieren... doch ob das Geld dann auch wirklich dafuer verwendet wird.... ich werde meine Zweifel nicht los... aber das ist das Problem der Wittwen, nicht meines...


Artpiccolo in Tonga 


Irgendwann heute Abend soll die Faehre abfahren... um Mitternacht, sagen uns alle, und es ist die schnelle Faehre, sie soll nur 8 Stunden brauchen. SanTom weiss inzwischen, dass das Tonganische Wort "timii" nicht original tonganisch ist, und dass die Insulaner ein anderes Verhaeltnis dazu haben. Gegen 20 Uhr setzten wir uns deshalb an den Hafen und warten. Wir sind nicht die einzigen und nach kurzer Zeit setzt sich der Lea, er ist der Werftarbeiter und hat heute Schicht, neben uns. Ein froehlicher Typ, er bringt uns christliche Lieder bei und verschwindet immer wieder im Buero um uns neue tonganische Woerter ins Englische zu uebersetzen. Fuer uns ist das erste wirklich offene und herzliche Kontakt mit einem Tonganer..... wir sind happy, teilen mit ihm unser Nachtessen und geniessen seine ansteckende Froehlichkeit.


In der Zwischenzeit regnet es in Stroemen. Weit in der Ferne , draussen in der schwarzen Nacht, ueber dem offenen Meer koennen wir dann endlich ein schwaches Licht erkennen. Es kommt naeher und irgendwann - es muss schon nach Mitternach sein - legt die Faehre Pulupaki im Hafen an. Es beginnt ein reges Treiben, alles wird ent- und verladen. Einige Paletten Kokosnuesse, frischer Fisch und ueber 50 leere Oelfaesser mit der Aufschrift "Fuel" werden wieder zurueck nach Tongatapu verschifft. Dann endlich koennen auch wir an Bord - es habe viele Sitzplaetze wurde uns gesagt, doch finden koennen wir keine. Die Tonganer legen sich einfach auf den Boden - draussen im Gang oder in einem der zwei Zimmer die mit etwas Teppich ausgelegt sind.... wir tun es ihnen gleich, legen unsere Regenjacken auf den Teppich, ein Tuch ueber die Augen und hoffen auf eine ruhige Nacht.


Faehre nach TongatapuDie erste Schiffsstunde ist auch wirklich ruhig, aber da sind wir noch immer im Schutz der anderen Ha'apai Inselchen. Als diese dann hinter uns kommen da geht der Spass erst richtig los. Unmittelbar oestlich von Tonga liegt der Tongagraben, nach dem Marianengraben die zweit tiefste Stelle der Erde. Tonga hat deshalb nur sehr selten ruhiges Wasser, was heute Nacht neben Sandra auch einige nicht besonders Seefeste Tonganer zu spueren bekommen. Eine steife Briese aus Achtern laesst uns trotz der respektablen Groesse der Faehre wie ein Ping Pong ueber die Wellen tanzen. Mehr als einer auf dem Schiff laesst sich sein Menue nochmals durch den Kopf gehen... Es muss wohl schon 10 Uhr morgens sein. Eigentlich haetten wir schon lange in Nukualofa ankommen muessen. Torkelnd mache ich mich auf, das Schiff zu erkunden - hier sind Fischboxen gestapelt, dort quitscht eine Sau in einem Sack, da liegt ein gekochter, halb verspiesener Schweinekopf und unmittelbar vor der Tuere zu unserem Gemeinschaftsschlafzimmer liegt eine grosse Meeresschildkroete auf dem Ruecken - lebend selbstverstaendlich, denn sie muss ja frisch sein - eigentlich sind diese Tiere auch im Pazifik geschuetzt, doch wer kontrolliert denn das hier? Man erklaert uns, dass das ein ganz exklusives Geschenk sei...z.B. fuer den Koenig oder so.. und dass eigentlich nur das Toeten dieser robusten Lebewesen schlimm sei - bei lebendigen Leib werden sie zum Panzer rausgeschnitten - die Schildkroeten haetten dann Traenen in den Augen.. das sei wirklich schlimm erklaeren uns die Tonganer. Neben all dem finde ich auch heraus wieso wir noch nicht am Ziel sind. "Kraftstoff ist sooo teuer, der Kapitaen hat deshalb entschieden ein Motor abzuschalten"



Nach rund 14 Stunden sind wir endlich im Hafen. Keines der vielen Kinder in unserem Schlafzimmer hat gebruellt oder gequaenglt, mit stoischer Ruhe und ohne grosses Aufsehen werden solche Moerderpassagen in vielen Laendern hingenommen - bei uns unmoeglich!

  Schildkroete auf dem Ruecken

  • Nuku Alofa, Tongatapu - 10.-15.4.2008

Zurueck in der Hauptstadt, wieder in die Heileila Lodge, wieder frische Fruechte zum Fruehstueck und Internet im Zimmer - das ist es dann auch fuer die naechsten Tage. Viel zu viel Zeit verbringe ich vor dem Computer, tueflte, installiere, lerne usw. Wir aktualisieren unsere Lebenslaufe, schreiben Schweizer und Deutschen Kindergaerten in der ganzen Welt und verschiedenen anderen TAFE Berufsschulen in Australien - mal schauen was sich daraus ergibt... vielleicht klappt es.
Jeden morgen und jeden Abend duerfen wir dann mit jemand anderem in der Schweiz Skypen - es ist so schoen unsere Lieben Leute zu Hause zu hoeren, zu spueren und sie manchmal sogar ueber Videokonferenz zu sehen.... Skype ist genial fuer Weltreisende.

 

  • Mata'aho, Eua - 16.-21.4.2008

Eigentlich wollten wir gestern schon auf die Faehre um die nahe Nachbarinsel Eua zu besuchen. Doch nachdem alle sagten sie faehrt jeden Tag um 12 Uhr und wir sicherheitshalber schon um 10 Uhr am Hafen sind heisst es: "Ah... nein...die Faehre geht nur noch alle zwei Tage... erst seit dieser Woche ist das so...ihr muesst morgen nochmals kommen"! Eben "timii"....Sandra kriegt dafuer noch eine tonganische Lauskur - fast alle haben welche und sie meint das Jucken muesse wohl davon sein - Fehlanzeige, gluecklicherweise


Hat es Floehe hier??? 



Naturparadies EuaEua ist das Naturparadies von Tonga, die einzige Insel mit Primaerregenwald und mit 380m auch die hoechste. Das Schiff braucht etwas mehr als 2 Stunden und auch hier wieder ist das Meer rauh, sehr rauh - nur die Faehre viel kleiner. Wie auf einer Achterbahn fuehlen wir uns, bei jedem Brecher "uiiiiii" und ab und zu schreien und weinen einige der Tonganerinnen aus Angst - Sandra scheint inzwischen eine richtige Seefahrerbraut geworden, sie ist etwas still neben mir, aber tapfer und klammert sich an mich und den Fensterrahmen.

Wenn man durch die Strassen lauft hoert man ueberall das Grunzen der Scheine und Haemmern. Nicht von Bauarbeitern, sondern von den vielen hausarbeitenden Frauen, sie schlagen die Tapafasern breit - Mulberrytreepapier wie in Laos....ein sehr traditionelles tonganisches Kunsthandwerk. Ganz wichtig fuer tonganische Feste und sehr sehr teuer zu kaufen.


Wir wohnen im Highlight Guesthouse, haben infolge einer Beerdigung in der Nachbarschaft das Haus voll von Tonganern, danach die ganze "Villa" fuer uns. Lernen viel ueber tonganische Kultur, z.B. dauert eine Bestattungsfeier bis zu einer Woche, der Koerper der verstorbenen wir waehrend dieser Zeit in einem Kuehlschrank in ihrem Haus aufbewahrt, alle Verwandte und Bekannte kommen ueber Tage ins Haus, weinen, essen, weinen, essen. Oder auch das anlaesslich einer Hochzeit die Braut dem Brautigam und seiner Familie ein Bett herstellen muss, je reicher sie ist, desto schoener muss dieses sein. Dass nach der eigentlichen Hochzeitfeier nochmals eine weitere Feier folgt, aber nur dann wenn die Schwiegermutter einen Blutfleck auf dem weissen Bettlaken vorfindet...



San im ElementWir wandern ab und zu, ins Dorf, an den Hafen aber auch in den Regenwald. Versinken im Schlamm, verlieren uns fast auf den vielen Wegen, sichten Eua Papageie usw. Besuchen die lokale Primarschule. Schon mit 5 Jahren kommen die Kinder in die Schule, lernen lesen und schreiben, haben ein Schulkonzept aehnlich wie das z.Z. in Diskussion stehende Grundstufenprojekt in der Scheiz... aber zu Hause redet man ja nur drueber.... Kinder sollen ja Kinder sein.... viele Laender auf dieser Welt haben das System schon laengst und Kinder sind trotzdem Kinder.

Um 3 Uhr morgens geht der Alarm ab.... es ist rund eine Stunde zu Fuss bis zum Hafen und die Faehre faehrt vielleicht um 5.30 Uhr - wenn wir Glueck haben?!? Rund ein halbes Dutzend private Minibusse oder Pickups fahren zu dieser Unzeit an uns vorbei, es wird freundlich gewinkt, mitnehmen will uns aber niemand... naja. Das Meer ist zu dieser Stunde noch fast ganz flach.. eine herrliche Fahrt zurueck in die Hauptstadt.













  • Nukualofa, Tongatapu - 22.+23.4.2008

Die letzten zwei Tage Tonga vergehen wieder in der Heilala Lodge. Skype lauft heiss und einige weitere Option fuer Jobs in der Welt tun sich auf... mal schauen was sich daraus ergibt.
Zurueck geht es in unsere Gefuehlsmaessige zweite Heimat, Australien. Abends um 9 Uhr kommen wir in Adelaide an wo Jenny und Fritz auf uns warten werden - wieder duerfen wir bei ihnen in den Adelaide Hills wohnen... in der Zwischenzeit ist Sandra Kuhgotti geworden und hofft, dass sie bei einem der 9 noch anstehenden Kaelbergeburten anwesend sein darf... so als Midwife. Wir freuen uns sehr auf Australien, auf die Herzlichkeit von Jenny und Fritz und die feinen Steaks ;-)