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Ob wir nicht Vegetarier werden?


Geschrieben von Tom   
Thursday, 13. April 2006
Folgender Artikelauszug eines Mongolei-Reisenden haben wir mit Spannung aber auch Besorgnis gelesen.... vor allem Sandra fragt sich aktiver denn je, ob sie nicht doch Vegetarierin werden soll......

.........zu meiner Begrüssung wird am ersten Abend ein Schaf geschlachtet. Auf die Art und Weise, wie in der Mongolei geschlachtet wird, gehe ich hier lieber nicht ein. Erstens möchte ich zartbesaitete Leser nicht erschrecken, aber noch weniger möchte ich, dass nach meinem Bericht massenweise Tierschützer in die Mongolei pilgern. Wenn ich beim Schlachten noch an eine saftige Lammkeule oder ein knusperiges Braten denke und mir schon das Wasser im Munde zusammenläuft, habe ich mich zu früh gefreut. Den bei den Mongolen gelten die Eingeweide als besondere Delikatesse, die einem Ehrengast vorgesetzt werden. So sehe ich mich unversehens vor einer riesigen Schüssel voll Schafsinnereien, die im eigenen Blut gegart wurden. Rund um die Schüssel ist die gesamte Familie versammelt und gespannt sind alle Augen auf mich gerichtet. Man ist stolz, dass man solche Köstlichkeiten auftischen kann und alle warten heisshungrig, bis sie nach dem Gast selber zugreifen können. "Auftischen"  ist wohl der falsche Begriff, den man sitzt dabei am Boden rund um die gemeinsame Schüssel, gibt das scharfe Messer im Kreis und jeder schneidet sich heraus, was er begehrt und isst mit der Hand. Etwas hilflos lasse ich mir die einzelnen Organe erklären, schneide von jedem ein Stückchen ab und versuche beim Essen nicht zu fest an ihre Körperfunktionen zu denken. Fasziniert beobachte ich die Kinder bei diesem Schlachtmahl. Kein Schweizer Kind hätte auch nur ein Bissen davon gegessen und auch mancher Erwachsene hätte sich beim Anblick der im Blut schwimmender Organe gegraust. Aber diese Nomadenkinder stürzten sich regelrecht auf dieses "Festessen"  und balgten wie junge Hund um die besten Stücke. Auch als am nächsten Morgen die Reste zum Frühstück serviert wurden, griffen sie gierig zu. Wobei bereits der jüngste (vierjährig) gekonnt mit dem Schlachtmesser hantierte und die Organe fachgerechte in Stücke zerteilte.


Zur Begrüssung wurde am ersten Abend ein Schaf geschlachtet.


Über das Essen in der Mongolei könnte ich noch viel schreiben. Nicht weil es so vielseitig oder so reichlich vorhanden wäre. Ganz im Gegenteil, aber es unterscheidet sich so grundsätzlich von dem, was wir uns gewohnt sind, dass wirklich jede Mahlzeit zum Abenteuer wird. Das bekannteste Beispiel hierfür dürfte der Buttertee sein, der mit Tee aber nur insofern verwand ist, dass er auch aus Kräutern aufgebraut wird. Ansonsten erinnert er an eine Suppe, da er kräftig gesalzen ist und dicke Fettaugen darauf schwimmen. Das ist praktisch, denn so kann er nach dem Essen gleich in die gebrauchten Speiseschalen gegossen werden, die danach nicht mehr gespült werden müssen. In jeder Jurte steht jederzeit eine Kanne warmer Buttertee bereit und kaum sitzt man, kriegt man schon eine Schale davon gereicht. Auch wenn er für uns sehr ungewohnt schmeckt, bin ich jedes Mal froh, wenn ich Buttertee serviert bekommen, denn noch beliebter als der Tee ist Aymak, besser bekannt als Kummis. Dieses Getränk wird aus gegorene Stutenmilch gewonnen und schmeckt für europäische Gaumen abscheulich. Zum ersten Mal kam ich damit in Kontakt, als wir in der turkmenischen Wüste bei einer Jurte übernachteten. Doch verhinderte damals eine Dosis Naswei-Kautabak, dass dieses grässliche Getränk den Weg vom Magen in den Darm fand. Das zweite Kummis-Erlebniss hatte ich in Kirgistan, wo Claudio, Jochen und ich in eine Jurte eingeladen wurde und uns unter 16 neugierigen Augenpaaren eine Schale davon gereicht wurde. Wir mussten nur einen Schluck davon trinken. Das genügte jedoch bereits, um die Darmaktivität derart zu beschleunigen, dass wir uns kurz darauf verabschieden mussten. Offenbar scheint es jedem europäischen Verdauungssystem bei der ersten Kummis-Auseinandersetzung so zu ergehen. Da half es auch nichts, dass ich mir auf der bisherigen Reise eine Hornhautschicht auf den Magenschleimhäute zugelegt habe. Doch kommen wir zurück auf die kulinarischen Bräuche in der Mongolei. Besitzt die Familie eine Pferdeherde, steht mit grösster Sicherheit in ihrer Jurte ein 50-Liter-Fass mit Kummis. Es verlangt die Sitte von jeder eintretenden Person, zuerst in diesem Fass zu rühren. So wird gewährleistet, dass das Gebräu während des Gärprozesses genügend gemischt wird. Der Gastfreundschaft zu liebe trinke ich tapfer Schale um Schale, die mir vorgesetzt wird und versuche dabei meine Abscheu so gut wie möglich zu verbergen. Meine Darmflora hat längst gegen diesen verschärften Bakteriencocktail aufgerüstet und ich glaube mich schon resistent gegenüber diesem sauren Geschmack, als ich neben einem dieser besagten Fässer übernachten muss. Der säuerlich-gärige Geruch, der deutlich an Erbrochenes erinnert, lässt mich kein Auge zudrücken und ich kämpfe die ganze Nacht gegen den Brechreiz. Als man mir am nächsten Morgen die erste Schale Kummis zum Frühstück serviert, bin ich nahe dabei, die Flucht zu ergreifen........

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