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Weshalb ist Myanmar so unterentwickelt...?

Geschrieben von Tom
  
Wednesday, 28. February 2007

Blumen und Fruechte ueberallBeim Reisen in Myanmar faellt uns die immense Fruchtbarkeit und die dementsprechende Vielfaeltigkeit der burmesischen Speisekarte sofort auf.

Auch sehen wir immer wieder Zeichen von Bodenschaetzen (Oel, Minen und Edelsteine - Myanmar gilt als das rohstoffreichste Land von ganz Suedostasien).

Erlebt man dann die Menschen, ihre unbeschreibliche Intelligenz und Sprachgewandtheit (viele haben sich selber etwas englisch, deutsch, franzoesisch und sogar japanisch beigebracht) gepaart mit den Willen ihre Arbeit gut zu machen ist die doch offensichtliche Volksarmut noch weniger verstaendlich.

Selbstverstaendlich wissen wir um die Militaerjunta hier. Wir haben von der durch sie befohlenen zivilen Zwangsarbeit gehoert (Menschen sollen u.a. als lebende Minendetektoren benutzt werden), - doch moechten wir mehr wissen und fragen uns wie ein so reiches Land so arm werden kann.


Ein Ausflug in die Geschichtskapitel verschiedener Reisebuecher verschafft uns mehr Klarheit und verdient eine Zusammenfassung auf SanTom.

Nachdem das Land zuvor durch weltfremde Koenige in ein Chaos gestuerzt wurde, erlebte Burma waehrend der britischen Kolonisation eine Bluete und entwickelte sich u.a. zum groessten Reisexporteur der Welt. Doch der Erfolg hatte seine Schattenseiten, die notwendigen Investitionen fuehrten zur Verschuldung der mit Geld unerfahrenen Reisbauern. Viele Menschen verloren ihre Felder an indische Geldverleiher.

Der zweite Weltkrieg bedeutete dann einen der noch heute entscheidensten Einschnitte in die burmesische Geschichte. Weil die Japaner hier die Royals bekaempfen wollten und die Alliierten nach einigen Jahren die Japaner wiederum aus diesem Land vertrieben, war Burma einer der groessten Kriegsschauplaetze in Suedostasien was abertausende von Todesopfer und die komplette Zerstoerung der bestehenden Infrastruktur mit sich brachte und Birma viel mehr zurueckwarf als andere Laender.

Die unterschiedlichen, nach dem Krieg entstandenen, Unabhaengigkeitsbewegungen vermochten sich nie richtig zu einen - Myanmar ist auch heute noch ein Mix aus135 Ethnien und ueber 60 Sprachen - es entstanden in den folgende Jahren ueber 20 Rebellenarmeen, die zeitweise bis zu 10 Prozent des Landes kontrollierten.

general_ne_win.jpgAm 2. Maerz 1961 putschte sich General Ne Win an die Macht. Er liess den "birmanischen Weg zum Sozialismus" ausrufen, verstaatlichte alle Betriebe und warf auslaendische Firmen aus dem Land. Das Land war innerhalb weniger Jahre voellig heruntergewirtschaftet und auch zaghafte Reformversuch wurden durch Inkompetenz, Korruption und die masslose Selbstbereicherung des Ne Win Clans zunichte gemacht. Als der von der Glueckszahl Neun besessene General schon das zweite Mal ueber Nacht vier fuenftel des im Umlauf befindlichen Geldes fuer ungueltig erklaerte und dafuer 45- und 90 Kyat Noten einfuehrte, verloren viele Menschen ihr muehsam Erspartes erneut - die Menschen protestierten - die Militaers liessen auf Grossdemonstrationen schiessen mit aehnlichem Resulate wie in China auf dem Platz des himmlischen Friedens nur ein Jahr spaeter.

 

Birma zaehlte damals zu den aermsten Laendern der Welt und exportierte gerade mal 150000t Reis jaehrlich.

 

Fette Generale armes Volk

Die neue Militaerjunta (Slorc) fuehrte darauf die Marktwirtschaft ein. Um das Land aber fuer auslaendische Investoren und den Tourismus attraktiver zu machen bedurfte es einer vernuenftigen Infrastruktur und politischer Stabilitaet. Die Infrastruktur wurde mittels hunderttausenden von Zwangsarbeitern auf Vordermann gebracht und politische Stabilitaet erreicht man in diesem Land seither, indem man jegliche Opposition auf brutalste Weise im Keim erstickt, so sollen auch heute noch systhematische Vergewaltigungen und Sauberungen wie sie uns z.B. aus Ex-Jugoslawien bekannt sind angewandt werden.

 

Bus in YangonWeil die meisten westlichen Firmen den 2003 verschaerften US -Boykotts folgten und dem Land den Ruecken gekehrt haben (Man kann hier deshalb auch keine Travellercheques oder Plastikkartengeld gebrauchen) verloren abermals viele Menschen ihre Arbeit - der Kampf ums Ueberleben beginnt erneut.....

"....bei staendig steigenden Lebenshaltungskosten kommt der Normalbuerger nur mit Muehe ueber die Runden. Ein Lehrer verdient monatlich weniger als SFr. 16.--. Dabei kostet bereits ein 2,5kg Sack minderwertiger Reis ca. 60 Rappen. Folglich kann er mit seinem Beruf die 4-5 koepfige Familie nicht ernaehren. Seine Frau und eventuell auch seine Kinder muessen Arbeiten, er selbst braucht einen Nebenjob, der ihm oft mehr einbringt als sein eigentlicher Beruf. So ist es nicht verwunderlich, dass er seine Hauptarbeit vernachlaessigt und kauflich wird.

Korrption ist ueberal, der Polizist kassiert schwarz, der Arzt bittet die Patienten, sich abends bei ihm privat und gegen Aufpreis behandeln zu lassen, Lehrer erscheinen nicht zum Unterricht und fordern die Schueler auf Extrastunden zu Extrakosten zu nehmen. Ein Teufelskreis! Niemand hat Vertrauen in den Staat und sucht seine Ueberlebensstrategie selber. Viele verlassen ihre Heimat und arbeiten in den Staedten oder wenn moeglich im Ausland, wo sie als illegal Beschaeftigte der Willkuer der dortigen Regierungen und Arbeitgeber ausgesetzt sind....."

..... und wieso trifft sowas erneut (wie im Tibet) ein Volk, das unwahrscheinlich herzlich, hilfsbereit, zuvorkommend und freundlich ist - weshalb muessen solch fried- und liebevolle Menschen ein soo unmenschliches Regime aushalten?

Wir sind erdrueckt, fasziniert und von den Burmesen einmal mehr direkt im Herzen beruehrt.