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Myanmar Tagebuch


Geschrieben von Sandra & Thomas
  
Wednesday, 28. February 2007


  • Yangon - 1.- 3.2.07


Bangkoks neuer AirportUm 4 h morgens in Bangkok aufgestanden, um 7 h bereits im Flugzeug - eine halbe Stunde Zeitumstellung und um 8 h in einer neuen Welt angekommen.

Am Flughafen werden wir mit Herzlichkeit foermlich ueberschwemmt und willkommen geheissen... Frauen wie Maenner in Longjis - dem traditionellen Wickelrock. Goldiggelber Puder auf den Wangen und der Stirn - dem auf Stein gemahlenen Pulver der Tanakabaumrinde. Goldig glaenzende Stupaspitzen stechen zwischen grauen Haeusern in die Hoehe. Was ist das fuer ein Land, was sind das fuer Menschen - in dieser zwiespaeltigen Welt... wir sind von den ersten Eindruecken voellig ueberwaeltigt.


So wird Tanaka gerieben 


Im Hostel lernen wir Sandra und Urs kennen, ein Paar aus der Region Thun, selbstverstaendlich kennen sie unsere Freundin Monique ebenfalls - mit ihnen werden wir in den naechsten Wochen diese Welt entdecken. So wird gemuetlich geplaudert, in Zueri- und Baernerduetsch, die Wangen mit goldenem Puder geschminkt fuer die Frauen und einen Longji gekauft fuer Thomas und Urs. Beim Durchschlendern der Gaesschen werden wir mit dem regen Leben, dem herzlichen Laecheln und noch viel mehr Eindruecken ueberflutet.

Den naechsten Tag beginnen wir mit dem Marktbesuch. Fruechte tuermen sich in Berge vor uns, Longjibeigen in allen Farbetoenen und Materialien, der betoerende Duft von Raeucherstaebchen, glaenzende Edelsteine in allen Farben - und hinter allem ein strahlendes Gesicht.

Kandawgyi RestaurantWir suchen die Ruhe und spazieren durch einen gepflegten Park und auf Holzbruecken dem Kandawgyi See entlang. Die Stille und das Gruen tun gut. Sitzenbleiben und wirkenlassen. Beobachtet werden wir von den zwei stolzen goldigen Schwaenen, die das "Bootsrestaurant" bewachen und einem neugierigen Blick eines Burmesen hier und dort.

Ein gutes burmesisches Essen in unserem Hostel schliesst diesen Tag ab. Wieder sind wir begeistert von der unendlichen Freundlichkeit dieser Menschen...

Am naechsten Morgen ist Tagwache um 4.30 Uhr. Wir moechten gerne mit den Einheimischen die prachtvolle Swedagon Pagoda besuchen.


Swedagon 


Die Spitze mit den DiamantenAm Eingang ziehen wir die Schuhe aus, steigen mit einigen Burmesen die unendlich lange Marmortreppe hinauf und fuehlen die Kuehle der Nacht unter unseren Fuessen. Der Vollmond wirft einen zarten Schimmer auf das Gold rund um uns herum. Hunderte von laechelnden Buddhafiguren saeumen den Weg - wir haben das Gefuehl, dass wir sie atmen hoeren. Mantras schweben in der Luft, murmelnde Buddhisten ueberall. Wir atmen einen Hauch Buddhismus ein. Lassen die Atmosphaere auf uns wirken. Der Sonnenaufgang laesst das Gold erlaeuchten (60 Tonnen sind davon alleine auf der Grossen Stupa angebracht), und die 79569 Diamanten strahlen in alle Himmelsrichtungen. Bezaubernd, verzaubernd.

Am Nachmittag versuchen wir mit dem Zug nach Bago zu kommen. Der nette Taxichauffeur faehrt uns mit Sack und Pack in seinem Auto zum Bahnhof. Der Zug sei bereits weg, erst spaet abends wieder einer. Dann eben Plan B mit Pick up. Gesehen haben wir diese bereits mehrmals auf den Strassen - mehr Menschen, Gepaeck, Tiere, Gemuese, Fruechte und und und als Auto - fuer zwei Stunden geben wir uns doch gerne in dieses Myanmarlokaltransportabenteuer. Und weil die Pick up Station gleich neben den heiligen weissen Elefanten ist, stoppen wir dort noch. Von Heiligkeit war weit und breit nichts zu spueren... Die armen Tiere waren mit Ketten festgebunden und bewegten sich apathisch hin und her... Ein trauriger Anblick. Heller als die uns bekannten Elefanten waren sie tatsaechlich - richtig weiss aber nur auf den nachbearbeiteten Ansichtsarten die man von ihnen kaufen konnte. Frueher gehoerten sie Koenigen, weil diese seltenen Dickhaeuter Glueck fuer das Land bringen sollten - heute gehoeren sie dem Militaerregime, um darzustellen, dass ja auch sie nur das Beste wollen...

Ohne Foto und Ansichtskarten kletterten wir dann in unseren Pick up. Die Bank auf der linken Seite wurde fuer uns frei gemacht, auf der rechten Seite teilten sich 6 Burmesen den Platz - fuer die ersten 2. km. Zu viert eine ganze Bank fuer uns zu haben war Luxus pur, zu fuenft dann noch angenehm, zu sechst ok, zu siebt und acht ziemlich bis sehr eng. Denn durchschnittlich alle 500 m wurde mindestens eine Person und fuenf Gepaeckstuecke aufgeladen und es schien, als ob alle das selbe Ziel wie wir hatten, denn niemand wollte je aussteigen, nur zusteigen. Zwischen unseren Beine sassen in einer Reihe Burmesen auf Minihoeckerchen, an den Autoaussenwandseiten standen Maenner mit wehenden Longjis und auf dem Dach hockten noch mehr zwischen und auf all dem Gepaeck. Wieviele auf dem Dach oder auch in der Fahrerkabine waren wissen wir nicht, konnten wir vor lauter Beine, Arme und Longjis nicht sehen. Aber was wir sahen und spuerten waren 32 Burmesen und vier Schweizer die von einander gegenseitig fasziniert waren, sich anlaechelten und jede Kurve miteinander mitschaukelten und Schulter an Schulter, Knie an Knie jede Bodenwelle gemeinsam meisterten. Fuer uns endete diese beruehrende Fahrt - im wahrsten Sinne des Wortes - nach zwei Stunden, fuer andere wohl noch spaeter.

  • Bago - 3.2.07

Erst als wir uns aus dem Menschengewuehl herausgeschaelt hatten, merkten wir, dass wir im Grossstadtgewuehl gelandet sind. Hupende Lastwagen, ratternde Mofas, Fahrraeder, Fussgaenger, Hitze, Abgase und Laerm. Und alle Hostels an dieser Strasse. Wir wollen nur eine Nacht bleiben, der goldige Felsen, einige Stunden weiter ist unser Ziel. Die Hoffnung auf eine ruhige Nacht verschwand mit dem Einsetzen der Generatoren in der Abenddaemmerung.

 

  • Der goldene Felsen - 4.+ 5.2.07

Am naechsten Morgen fruehstueckten wir in einer kleinen Teestube - Blick auf den Fluss, oder mehr Abfallhalde? Aber der Kaffee, die Gebaecke und die Menschen waren wunderbar und wunderschoen. Anschliessend Spaziergang durch den Markt zum Kloster. Rote Tuecher, rassierte Koepfe und einladendes Laecheln. Um 10.30 ist Mittagszeit fuer die Moenche, aufstellen in einer Reihe, Reis und Curry wird in die Schuesseln verteilt. Barfuss, Schritt fuer Schritt, absolute Ruhe - nur das Knipsen der Fotokameras der Touristen ist zu hoeren, was nur uns zu stoeren scheint.

Busbillete kaufen, einen ganzen Sitz fuer sich haben und nach Kinn Pun fahren, dem Basiscamp von der Kyaikityo Pilgerstaette, dem goldenen Felsen. Dieser etwa 6m hohe fast runde Felsen sitzt auf einem Felsplateu auf ca. 1000m ueber Meer, ist gaenzlich mit

Der goldene FelsenGold ueberzogen und gilt als eine der heiligsten buddhistischen Wallfahrtsorte in Myanmar. Buddha soll eines seiner (wenigen) Haare hier in diesem Felsen eingelassen haben, was ihm die unglaubliche Statik verleiht und vom Sturz in die Tiefe bewahrt.

Wir entscheiden uns spontan - und mehr aus Magel an Bewegung als aus Pilgergruenden - fuer die 4 Stunden Fussmarsch vom Basecamp zum Felsen anstelle der Fahrt auf der Ladeflaeche eines Trucks. Leider ist zur Zeit unserer Spontanitaet bereits 10 Uhr morgens und wir sollen uns fuer die naechsten Stunden bei bruehtender Mittagshitze emporkaempfen. Eine tolle Erfahrung, einmalmehr keine anderen Touris, viele Burmesen die uns mit herzlichem Laecheln und viel Freude auf unserem Weg entgegenkommen. Wieder ist der Weg das Ziel und beim erreichen des Felsens sind wir froh diesen Weg gewaehlt zu haben, dennt fuer uns Uneingeweihte ist der magische Ort wohl etwas zum burmesischen Disneyland verkommen. Viele Markstaende, Hotelskloetze und Gesundheitsshops die von der echten Baerenkralle bis zum Tigerzahn alles was WWF verboten hat den asiatischen Pilgern darbieten.






  • Toungoo, essen und schlafen beim Doktor - 6.- 9.2.07

Das groesste Brunch von MyanmarImmernoch zusammen mit unseren Bernern beschliessen wir den Weg zur naechsten Touristenattraktion, dem Inlesee, zu unterbrechen und in Toungoo einen Tag zu pausieren. Wir haben vom Beauty Guesthouse 2-4 gehoert, wo ein pensioniertes Aerztepaar ihre Gaeste mit dem abwechslungsreichsten Brunch von ganz Myanmar verwoehnen soll. Das Gastehaus liegt am Dorfrand, hat Aussicht auf Reis, bzw. in der Trockenzeit Bohnenfelder, und laesst uns Europaer bezueglich Essen und Gastfreundschaft verblassen. Wir erhalten ueber die naechsten 4 Tage jeden Abend und jeden Morgen bis zu 20 verschiedene Speisen (pro Mahlzeit) serviert, eine schmeckt besser als die andere, und bei der naechsten Mahlzeit sind die meisten der Speisen wieder etwas anders - eine unglaubliche Vielfalt an traditionell burmesischer Kueche. Wir geniessen dazu die umfassenden Erklaerungen des Doktors ueber Land und Leben, fragen ihm fast ein Loch in seinen Bauch.

Die dritte Nacht erwachen wir schon um 5 Uhr morgens, es droehnt laute Musik uber die Felder und laesst uns wundern. Auch hier loest der freundliche Doktor unser Raetseln und ordert gleich einer seiner Angestellten mit uns zu dieser Laermquelle zu gehen. Ein 52 jaehriger Mann ist gestorben und die Musik signalisiert allen Menschen zu seinem Haus zu kommen, Abschied zu nehmen aber auch Geld seinen Hinterbliebenen zu spenden. Trotz dem traurigen Anlass werden wir mit offenen Armen und Herzen in die Runde aufgenommen und ermuntert auch an der folgenden Beerdigung beizuwohnen. Traurig - beruehrend - und doch eindrucksvoll... verschiedenste Religionen liegen hier nebeneinander begraben..

 

  • Zug von Tounggoo ueber Thazi zum Inlesee - 10.2.07

Am 10. Februar koennen wir nicht mehr essen.... und steigen in den Expresszug, der uns noerdlich nach Thazi bringt.

... kein Wunder bei diesen SchienenExpresszug??? Es rattert, holpert, schuettelt, schaukelt, der Zug droht manchmal fast aus den schmalen Schienen zu huepfen, Fenster haben die Wagen gar keine, Holzbaenke wie zu Ur-SBB Zeiten erwarten uns fuer 6-7 Stunden - wir sind in der "ordinary class"

Thazi koennte man wohl steichen - eineinziges Hotel darf fremde Touristen aufnehmen und nuetzt das auch aus...10 Dollar fuer ein Loch mit 2 Betten.... schade, aber fuer nur eine halbe Nacht ok, denn am naechsten Morgen muessen wir schon um 4.30h am Bahnhof sein. Ein Rekordtag steht vor uns, doch wissen wir davon noch nichts.

Platz auf dem Dach vorhandenGlucklicherweise entscheidet sich Sandra fuer die "Upper Class" auch diese hat seine besten Tagen schon vor langer Zeit mal gesehen, doch besser als beim grossen Vorbild SBB koennte man in dieser Klasse die Lehnen sogar runterklappen. Wir machen es uns gemuetlich in diesen alten Aeroflotsitzen. Will man den Geleiszustand von der gestrigen Fahrt mit holprig zusammenfassen muesste man fuer die heutige Fahrt sagen: der Zug nimmt richtige Luftspruenge.... und so erstaunt es auch nicht, dass die Geschwindikeit selten schneller als 15km/h ist. Wir fuehlen uns wie im wilden Westen nur dass anstelle der reitenden Banditen freundliche Verkaufer den Zug fliegends besteigen und vom Zugdach kein Indianergeheul sondern asiatisches Stimmengewirr zu uns dringt. So winden wir uns in die Berge hinein und erklimmen die Bergflanken im Zick-Zack, d.h. einmal vorwaerts - Weiche stellen - dann rueckwaerts - Weiche stellen - wieder vorwaerts die nachste Steigung hoch.... ganz Stolz zeigen uns unsere Sitznachbarn den einzigen Streckenteil wo sich der Zug zuerst ueber eine zitternde Bruecke vortastet um nach einer grossen Schlaufe darunter zu queren - wir freuen uns mit ihnen und vor allem ueber ihre zuverkommende Freundlichkeit und ihre Reiseleiterfunktion gegenuber von uns.... ein herrliches Land.

Ploetzlich bleibt der Zug stehen, eilends werden Steine und Keile hinter alle Raeder gelegt und als es auch nach 3 Stunden nicht weitergeht schaue ich mir mal die Lok etwas naeher an. Ich finde einen Mechaniker irgendwo im grossen Bauch dieses Dieselmonsters der sich fleissig den wenigen vorhandenen Schraubenschluessel bedient.... ok... das kann ja lustig werden.... mitten im Jungle... aber irgendwie geht es ja immer und wir erreichen nach ueber 15 Stunden die Inleregion. Knapp 150km - das ist ein Rekord den nicht mal die Mongolei bieten kann!



  • Inle See - 11. - 14.2.2007

Nach dieser laaaaaangen Fahrt heisst es erstmals erholen. Spazieren, lesen, Tee trinken. Und obwohl es hier an Touristen "wimmelt" (fuer burmesische Verhaeltnisse) - denn der Inlesee gehoert zu den Hoehepunkten dieses Landes - sind wir ueberrascht, welche unendliche Freundlichkeit uns immer wieder entgegengebracht wird.

Am naechsten Morgen beschliessen wir, diesen See und sein Leben zu erkunden und dabei moeglichst um die "offiziellen" Sehenswuerdigkeiten einen grossen Bogen zu machen.

Ein Bootsmann bietet uns an, mit uns eine "Nicht-Touristen-Reise" durch die schwimmenden Gaerten, Stelzenhausdoerfer und seine Bewohner zu machen. So sitzen wir bereits um acht in seinem schlanken Boot und lassen uns durch die vielen gruenen Kanaele schiffen, bis der See sich vor uns oeffnet. Traumhaft, maerchenhaft... Der Morgen huellte See, Horizont und Himmel in seinen Dunst ein und zieht uns in seinen Bann. Wir fahren der unendlichen Weite entgegen... Wo hoert wohl das Wasser auf, wo faengt das Universum an - grenzenlos, der Morgen verbindet alles.

so wird wirklich noch gefischtDer Motor knattert langsamer, stellt ab und wir gleiten einigen Fischern entgegen, die auf ihren wackeligen Booten mit einem Bein auf der Spitze balancieren. Der eine Fuss steht sicher auf dem Boot, der andere schlingt sich um das einzige Ruder, stuetzt, gleicht aus oder rudert mit dieser besonderen Technik durch das Gewaesser. Haende breiten waehrenddessen flink das Fischernetz aus, stuelpen einen Korb darueber und treiben mit einem Speer Fische hinein. Das alles ein Mann, auf einem Bein, in einem Boot, auf einem See...

Die Fahrt geht weiter, an Wasserbueffel vorbei, weit weg von der Touristenauto- bzw. -wasserbahn, wo ein Boot nach dem anderen vorbeirast. Ein kurzer Halt aber doch noch beim schwimmenden Markt, dort, wo die Ausfahrt der Autowasserbahn zu sein scheint. Von Fruechten und Gemuese sehen wir nichts, dafuer viel Silber-, Holz-, Jade- und sonstige Krimskramssouveniere und noch viel mehr Touristen. Das Motoren- Stimmen- und Verhandlungsgewirr verdirbt uns fast die Stimmung - wir wollen da wieder weg, doch schaffen wir es ohne Andocken von den Haendlern in ihren Kanoos, winkenden Souvenierartikeln und "I make you very good price" nicht raus. Wie schoen ist es wieder draussen im See! Den Silberschmied lassen wir aus, doch bei einer traditionellen Weberei moechten wir anhalten.webenDas rhythmische Klopfen der Webrahmen, die farbigen Seidenfadenspulen, die bunten, feinen Stoffe sind eine Welt fuer sich... Wir staunen, lassen uns an den geschickten Frauen und ihren Werken vorbeifuehren und uns die Technik der Lotosfadengewinnung erklaeren. Wer spannt all die Faeden in diese Riesenrahmen, wer kann daran weben, weben, weben bis eine Tuchbahne mit aufwendigen Mustern ensteht und wer kann aus Lotosbluehtenstaengel Faeserchen herausziehen, die duenn wie Spinnenfaeden sind und daraus noch einen Faden drehen??? Es sind die burmesischen Weberinnen, die fuer 2 Meter Wunderwerk in einem Tag 1000 Kyat (SFr. 1.--) bekommen....

Wieder im Boot spinnen sich unsere Gedanken im Kopf weiter, werden jedoch bald gelockert... Naechster Halt ist bei einer Reisweinbrennfamilie. Schauen, riechen, probieren. Dann nochmals schauen und probieren. Dann nur noch probieren... Das Boot schaukelt ploetzlich mehr, wohl nicht nur, weil wir einen tanzenden Bootsmann haben ;o)

BoatpartyDie Stimmung ist locker, das Boot kurvt um die duennen Stelzenbeine der Doerfer, vorbei an winkenden Kindern und grunzenden Schweinen in ihren Holzbeinstaellen. Der Weg bahnt sich durch die schwimmenden Gaerten, Tomaten zum Pfluecken nahe - das ist das Leben auf dem Wasser.

Dann ganz an der Suedspitze des Sees wieder Land unter den Fuessen. Hier ist das Toepfereiendorf. Toepfe, Kruege und Gefaesse tuermen sich in Bergen vor uns. Drehende Scheiben und rotbraune Tonhaende bringen den Klumpen in seine Form, loderndes Feuer unter der Erde brennen das Gefertigte, in Moersern zerstampfte alte Autobatterien geben den Toepfen ihre Bleifarbe...

Mittagspause bei der Schirmfamilie - oder ist es mehr die Herzfamilie? Vielleicht schuetzen ihre zarten Schirme aus Bambuspapier vor den harten Ungerechtigkeiten in diesem Land, vielleicht freuen sie sich an dem was sie haben, vielleicht ist das einfach ihr Leben, ihr Karma. Wir auf jeden Fall bekommen nicht nur ein ausgiebiges Essen, sondern noch viel mehr Freundlichkeit. Unglaublich diese Menschen in diesem Land.

Die Herzlichkeit spiegelt sich in Luft und Wasser wider und laesst den See, die Doerfer und Gaerten in warmes Licht tauchen. Zartes Rot macht sich breit - ein besinnlicher Sonnenuntergang kroent diesen Tag. Das Tuckern des Motores stellt ein weiteres Mal ein, wir steigen aus unserer Inleseefahrt aus und nehmen neben Reiswein und Webereien noch viele schoene Bilder und Erinnerungen in unser Hotelzimmer und Leben mit.

 

  • Mandalay - 15. + 16.02.07

  Weiter in die zweit groesste Stadt von Myanmar soll es heute gehen. Nach unserer Zugerfahrung hofften wir auf eine schnellere Fahrt im Bus. Es ist noch stockdunkel als wir diesen erklimmen... die Sitze sind mindestens einen Meter ueber dem Boden befestigt (doch werden wir erst auf unserer naechsten Busfahrt nach Hispaw wirklich merken weshalb) und die Sitzflaeche ist sehr sehr klein. Naja das werden wieder lange 10 Stunden bis nach Mandalay aber mit diesen freundlichen Menschen ist das schnell vergessen.

Den Tag in Mandalay verbringen wir mit einem ausgedehnten Citywalk, endlich finden wir hier ein Internetcafe das Strom hat und sogar noch Verbindungung... ein Novum in Myanmar...und wir signalisieren unseren Eltern dass wir noch leben. Weiter zu einem Donutshop und zur faszinierenden Entdeckung beim Goldschlaeger - siehe separater Bericht.


  • Hispaw - 17.+ 18.2.07

Fuer unsere Weiterfahrt in die Huegel nordoestlich von Mandalay haben wir zwei Transportmoeglichkeiten - 12 Stunden Zug oder 7 Stunden Bus - unsere Wahl ist schnell gemacht und wieder geht es fruehmorgens zum Busbahnhof. Ein farbenfroher

Bus mit MelonenBus wartet schon auf uns, auf dem Dach sind bereits einige Kindervelos, Plastikstuehle und Reissaecke festgebunden. Doch beim Aufsuchen unserer Sitze trifft uns fast der Schlag. Der Gang ist von vorne bis hinten bis zur Sitzkante mit grossen Reis- und Zwiebelsaecken vollgeladen und im Fussraum und unter unseren Sitzen liegen hunderte von frischen Wassermelonen so aufgestapelt dass man sich nur mit angezogenen Knien "setzen" kann. Im hintersten Teil des Buses wird unser Gepack auf einem weiteren Stapel von Allerlei gelegt nur damit sich spaeter nochmals zusaetzlich 10 Maenner darauf legen koennen und uns mit breitem Grinsen beaugen - wir sind wortwoertlich bis zur Dachkante vollgeladen! So zusammengepfercht winden wir uns fuer die naechsten Stunden die engen Serpentinen hoch und droehnen ohne die Bremse nur anzutippen durch die vielen Doerfer - gut funktioniert das Horn perfekt!

Kardanwelle und Pignon fehltPloetzlich kracht und rattert es fuerchterlich. Der Fahrer haelt am Strassenrand, steigt aus und rennt retour. Nachdem wir uns ueber all die Reissacke zum Ausgang vorgekaempft haben sehen wir gerade noch wie er ein grosses Teil um etwa 300m weg schultert und es zum Bus zurueck schleppt. Wir haben soeben den Flansch zum Hinterachspignon mitsamt einem Teil der Kardanwelle bei voller Fahrt verloren!!!

Meine Mechanikerkenntnisse sagen mir: "Schei... ! Hier kommen wir nicht mehr weg" Doch habe ich dabei vergessen, dass wir uns hier eben nicht in der Schweiz befinden. Sofort machen sich einige Maenner mit Hammer und Schraubenschluessel unter dem Bus an die Arbeit und schon nach etwas mehr als einer Stunde hupt der Fahrer zur Weiterfahrt..... mir bleibt nichts weiter uebrig als zu schmunzeln und bin froh mit solch kreativen Menschen zusammen Busfahren zu duerfen!

 kreative Menschen

ananasland.jpgHispaw - wir sind hier im Ananasland gelandet und decken uns gleich mit herrlich frischen Fruechten fuer 10 Rappen das Stueck ein - ist fuer uns etwas enttauschend, wunderschoene Landschaft deshalb aber auch schon mehr touristisch als wir gehofft haben. Ausserdem ist das nahe China gut zu sehen; nur noch wenige tragen die traditionelle Longjis und es mangelt hier nicht an allerlei Plastikgeruempel - wir fuerchten, dass es so wohl schon bald in groesseren Teile dieses Landes aussehen koennten.

Wir wandern am naechsten Tag zu einem nahen Wasserfall und geniessen es, unsere vom vielen Busfahren wunden Knochen endlich wiedermal anders zu beanspruchen.

Am Abend suchen wir uns ein Stassenrandrestaurant etwas abseits von den Touristen und erleben einmal mehr die immense Herzlichkeit gepaart mit herrlichem Essen. Stolz erklaert uns der Besitzer, dass das uns bedienende, fortwaehrend aufs freundlichste laechelnde und bei jedem uns hingestellten Teller aus ganzem Herzen "thank you" sagende Maedchen nicht seine Tochter sei. Sondern handle es sich bei ihr um ein "Babyworker" aus Nepal die nicht zur Schule gehe. Ihre Eltern sein so arm, dass sie froh seien ihre Tochter bei ihm von morgens in aller Frueh bis abends spaet arbeiten zu lassen. Wir wollen gar nicht wissen zu welchem mikrigem Lohn! Speziell herzlich bedanken wir uns bei ihr fuer den super Service und ermutigen sie mit den Touristen viel englisch zu lernen - sie strahlt uns danach aus ihren dunklen Augen an, wie wir wohl noch nie im Leben angestrahlt worden sind. Ihr Blick wird uns auch die folgenden Tage immer wieder beschaeftigen; wie gut haben wir es doch in der Schweiz, aber auch wie krank unsere Gesellschaft dabei schon geworden ist.....

 

  • Pyin Oo Lwin - 19.2.07

einst das hoechste und noch heute zittrigste ViaduktTrotz unserer gestrigen Platzreservation soll der Zug heute wegen einem Hindufestival absolut voll sein, erklaert uns der Bahnhofsvorstand bei unserer Ankunft. Wir aber wollen weiter und lassen nicht locker. Weil wir wie Myanmargentlemen gekleidet sind koennten wir ja auch wie sie auf dem Boden oder dem Dach des Zuges sitzen, lassen wir ihn wissen. Er winkt jedoch energisch ab, dies sei fuer Foreigners nicht erlaubt. Er findet uns aber trotzdem 3 Sitze (fuer 4 Personen) - der in jedem Zug mitfahrende Postmann braucht heute Sonntag nur wenig Platz fuer seine Postsaecke und so duerfen wir anstelle das Abteil fuellen. Der Postmann spricht etwas englisch und hat freude das Urs in der Schweiz auch Poestler ist. Wir verbringen so den ganzen Tag eingeklemmt zwischen auf dem Boden sitzenden Hindus und dutzenden anderen breit lachenden Burmesen und lachen. Einzig vor der Ueberfahrt des Gokteik Viadukts tauscht Sandra ihre Lachfalten kurz gegen Sorgenfalten. Denn diese ueber 100 Jahre alte Bruecke soll unter dem Gewicht des Zuges schwanken. Vielleicht mit Berechtigung, denn wegen einer erst kuerzlich ausgelaufenen britischen Versicherung wurde dieses ueber viele Jahre hoechste Eisenbahnviadukt der Welt nie gewartet... doch heute ging nochmas alles gut ;-)

zugfahren in Myanmar - the real thing 

DPferdekutschenie Stadt Piyn fuehlt sich fast mittelalterlich an, es preschen Pferdekutschen durch die Gassen, in dieser multikulturellen ehemals britischen Hillstation. Unser Hotel ist sozusagen eingeklemmt zwischen einem buddhistischen Tempel, einer christlichen Kirche und der Moschee und so werden wir am naechsten Morgen auch geweckt.... Sprechgesaenge, Glockengelaute und der Muhezin sorgen dafuer, dass wir von diesem bunten Gemisch an Religionen auch nichts verpassen.

Sandra besucht am Morgen dann das christliche Waisenheim, bzw. den dazugehoerigen Kindergarten und ist beeindruckt ueber die einfachen aber guten Unterrichtsmethoden und vor allem darueber, dass die 4-5jaehrigen schon sehr gut englisch koennen....spielerisch erlernt, nichts zu merken von der Angst der Schweizer, dass die Kinder nicht mehr Kind sein koennen. Sie uebergibt dem Heim zum Schluss des Besuchs 50$ aus unserem Fonds.


  • Weiter nach Mandalay und Bagan - 20.2.07

Fuer einmal mieten wir ein Taxi, das uns von Pyin mit einem Stopp bei der langesten Teakholzbruecke der Welt, die U Bein Bridge ist ueber 1200m lang, zurueck nach Mandalay bringt von wo wir im Nachtzug nach Bagan weiterschaukeln - an Schlaf ist dabei selbstverstaendlich nicht zu denken.

 

  • Bagan, die Stadt der millionen Pagoden - 21.- 25.2.07

Fruehmorgens aus dem Zug heisst es erstmals nachschlafen und den verstimmten Magen von Thomas auskurieren (3 Tage lang). Beim Spazieren durch das Dorf sind wir erstaunt, dass es so klein, gemuetlich und - wie koennte es anders sein - freundlich ist. Kunsthandwerker saeumen die Straesschen, Familienrestaurants mit unglaublich gutem Essen und Perdekutscher, die ihre Dienste anbieten. Zwischendurch immer wieder eine kleine Stupa, eine Pagode, der wachende Buddha ueberall. Wir entscheiden uns, dass Urs mit den beiden Sandras am naechsten Tag ausreiten darf. Thomas darf weiterhin im Hotelzimmer auf seinen Bauch hoeren...

Transport in BaganNach dem Fruehstueck lassen wir uns dann mit Pferd, Wagen und einem sympatischen Kutscher durch Bagan fuehren. Grosse und kleine Pagoden, ziegelsteinrote, sandfarbene, kalksteinweisse, spitze Daecher, goldene Kuppen, sitzende und liegende Buddhas, 100erte von Jahre alt. Beeindruckend. Die Aussicht von einer Pagode, die wir besteigen duerfen, ueberwaeltigend. Der Sonnenauf- und -untergang muss berauschend sein. So fahren wir zwischen dieser beeindruckenden Landschaft hindurch, besuchen einige Pagoden von innen und lassen uns durch die Standverkaeufer an den Eingaengen nicht beeindrucken. Die Hitze und Schuhe bleiben jeweils draussen, so gehen wir auf 1000 jaehrgen Plastersteinen barfuss durch die hohen Gaenge, an goldenen Buddhas und Wandmalereien vorbei. spueren und lassen den Zauber auf uns wirken.

Fuer den Sonnenuntergang suchen wir uns eine nicht beruehmte Pagode, die wir besteigen koennen. Und doch sind wir nicht ganz alleine. Wunderschoen ist die Aussicht, noch viel schoener der Sonnenuntergang. Was iritiert und stoert sind die Gespraeche der Besucher und das klicken der Fotoapparate.

HimmlischAm naechsten Tag scheint es dem Bauch von Thomas besser zu gehen und wir wollen mit dem Fahrrad nochmals die selbe Richtung erkunden und einen weiteren Sonnenuntergang geniessen. Die Hitze ist aber auch am spaeteren Nachmittag noch stark und Thomas's Kraefte immernoch eher schwach, deshalb lassen wir uns lieber doch durch die Gegend kutschieren. Das Nachmittagslicht taucht die ganze Gegend ein weiteres Mal in eine Vielfalt von warmen Toenen, die Pagodagaenge werden mit sanftem Licht geflutet und der Himmel verspricht einen weiteren traumhaften Sonnenuntergang. Auch auf unserer neu ausgeewaehlten Pagoda sind wir wieder nicht alleine, doch scheinen es dieses Mal mehr Geniesser zu sein. Im Fluesterton wird miteinander kommuniziert um den Fluss des Zaubers nicht zu brechen. Auch mein MP3 Player unterstuetzt und verstaerkt dieses Mal die Stimmung. So faerbt die Sonne den Himmel rot ein, laesst die ueber 2500 Pagoden in ihrem Licht erleuchten und einem in diese Atmosphaere versinken... Langsam verabschiedet sich der rote Feuerball fuer heute und im selben Moment legt der Ayayarwaddy seinen Nebelschleier zaertlich um die Pagoden und laesst sie in einen weiteren Schlaf von 1000 Jahren sinken. Was bleibt ist das Laecheln des Mondes...

Dehmuetig von diesem abentlichen Ritual verlassen wir unsere Sonnenuntergangspagoda und beschliessene, morgen den Sonnenaufgang nicht zu verschlafen.

Um 5.30 Uhr holt uns unser Kutscher wieder ab und faehrt uns zu einer weiteren Pagoda. Der Mond wartet mit uns auf die Sonne. Die ersten roetlichen Lichtstreifen kuendigen das Spektakel an und laesst uns die Morgenfrische vergessen. Sanft und langsam steigt die Sonne am Horizont hoch, beruehrt mit ihren Strahlen jede Stupaspitze und Kuppel und laesst den Tag erwachen. Der Ayayarwaddy hebt vorsichtig die Nebeldecke und fliesst seine Wege. Alles was bleibt ist eine wunderbare Aussicht, eine wunderschoene Weitsicht und bleibende Einsicht.

Bagan... wer haette das gedacht... Der Moment fuer die Welt seit 1000 Jahren - fuer uns erst seit ein paar Tagen und doch fuer das ganze Leben.

 

  • Yangon - 26.+ 27.2.07


Nocheinmals heisst es 15 Stunden im Nachtbus einklemmen, nicht so schlimm. Viel schlimmer ist, dass wir diesem herrlichen Land schon viel zu bald fuer einen Moment den Ruecken kehren muessen - unser Visa ist abgelaufen und wir muessen raus, doch wir werden bestimmt wieder kommen.

Ein Land wie dieses gibt es nicht viele - einmalig diese Menschen! Myanmar, Burma, Birma oder wie es die Generaele auch immer nennen moegen wir lieben deine Menschen!

Herzlichkeit pur...