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Unsere mongolische Familie
Geschrieben von Sandra   
Saturday, 23. September 2006

Der Traum wird zur Realitaet... 

Wir sitzen in der Jurte einer mongolischen Familie, bekommen salzigen Milchtee, Orum (mong. "Kuhmilchrahmpfannkuchen"), Boorzak (frittiertes Gebaeck), staunen und laecheln einander an.Es duftet nach Schaf und Kaminfeuer. Ab und zu geht die Tuer auf, neue Menschen treten ein, setzen sich neben uns auf den Boden und bekommen ebenfalls zu trinken und zu essen. Einige tragen diese wunderschoenen Stiefel mit den Zipfel, die in den blauen Himmel zeigen. Manche sind mit dem Dell, dem mongolischen Mantel bekleidet. Familienmitglieder? Kinder? Enkel? Besucher?

Unser Fahrer ist im Gespraech vertieft, wir schauen uns um. Gegenueber der munzigen Einganstuere steht ein Moebel mit Buddhabilder, Kerzen, Raeucherstaebchen, Familienfotos, kleinen Gaben. Ein Altar. Rechts davon ein wunderschoenes Bett mit bemalter Umrandung, das ziemlich hart aussieht. Dann Kuechengestelle mit Toepfen, Schaelchen und Kellen. Danach die Tuer. Links davon ein Gestell mit Vorraeten. Zwei Frauen, die riesige "Beutel" mit blutigen Eingeweiden stopfen. Rote Haende. Haben wir gerade die Schafschlachtung verpasst? Wir finden heraus, dass die Beutel Schafsmaegen sind und scheinbar als Tupperware dienen. Daneben bemalte Kisten, die wohl Kleiderschraenke und sonstige Aufbewahrungsboxen sind. In der Mitte der Jurte der Ofen, der mit Kuhdung eingefeuert wird. Darueber steht der Kamin, gerade, mit Dellen und ragt aus dem Dach hinaus, der Oeffnung in der Mitte. Er schaukelt im Wind. Der Boden ist mit Laminatstuecken oder Teppichteilen belegt, eine Werkzeugkiste dient als "Salontisch". Ofen und Tischchen bilde das Zentrum, wo alle drum herum sitzen, das Leben spielt sich auf dem Boden ab. Das ganze Hab und Gut in einer Jurte.



Besucher kommen und gehen. Dann wird eine Schale Airag herumgereicht. Ach so schmeckt nun diese vergorene Stutenmilch... fast ein bisschen wie komische Buttermilch. Der Familienaelteste schenkt immer ein, gibt weiter und dann geht es wieder an ihn zuerueck, wo nachgefuellt wird. Schnupftabakflaeschchen werden ausgetauscht, bestaunt und geschnupft. Dann vielleicht genossen. Die "Friedenspfeife" von unserem Gastgeber wird herumgegeben. Das ist Frieden, friedlicher geht gar nicht mehr.


Irgendwann sitzen nur noch wir in der Jurte zusammen mit den Familienmitglieder. Wir bekommen eine Schale Yoghurt, frisch, noch ganz warm und sehr gut. Der Familienaelteste, fuettert uns, gibt uns immer wieder etwas zu essen. Ablehnen ist unhoeflich, wir probieren und kosten alles. Spannende, neue Geschmaecker breiten sich auf unserer Zunge aus. Mit Haenden und Fuessen versuchen wir zu erklaeren, von wo wir kommen, was wir machen. Wir erfahren, dass der Familienaelteste 80 Jahre alt ist, acht Kinder hat und die juengste Tochter 15 ist. Seine Frau ist 70.



Wir lachen viel, wir versuchen mongolische, sie schweizerdeutsche Worte nachzusprechen... Dann holen wir unsere Geschenke, Farbstifte, Seife, Vodka, Bier. Die Familie bedankt sich herzlich, es wird in einem munzigen Schaelchen Bier herumgegeben. Anschliessend Vodka und zum Vergleichen auch noch selbstgebrannten Milchvodka. Ploetzlich sprechen wir viel besser mongolisch und sie fast fliessend schweizerdeutsch...

So nehmen wir unser Memoryspiel hervor, erspielen die Regeln, spielen mit der ganzen Familie. Wir fuehlen uns unglaublich wohl bei so viel Offenheit und Herzlichkeit! Wunderschoen, endlich DIE Mongolei mit ihren Menschen erleben zu duerfen...


Ploetzlich werde ich von den Frauen in die Ger nebenan gelotst. Ich bekomme einen wunderschoenen Dell, den mongolischen "Mantel" zum Anziehen und werde der Familie vorgefuehrt. Ich fuehle mich unglaublich mongolisch:o)



Es ist Zeit, um die Schafe und Ziegen zum Traenken an den See zu treiben. Die Kuehe werden gemolken und Wasser aus einem  Wasserloch geschoepft. Tief unten, braun mit Gras. Frauenarbeit. Ich helfe wo ich kann. Die Maenner sind in der Jurte und haben "Wichtiges", mindestens Neustes zu besprechen.



Dann wird gekocht. In einer riesen Schuessel gibt es Pasta mit getrocknetem Schaffleisch. Zuerst bekommt der Familienaelteste ein Schuesselchen, dann wir, anschliessend dieKinder und der Rest die Frauen. Wir werden gefragt, ob wir bei ihnen schlafen wollen - jaaaaaa gerneeeee! So duerfen wir die Nacht in dieser Jurte, zusammen mit "unserer  Familie" verbringen.  Der Abend vergeht mit Lachen, Schwatzen und Spielen.



Dann ist Bettzeit.Der Grossvater teilt sich das Bett mit einem seiner Enkelsoehne. Ist dieser seine Bettflasche? Wir teilen uns die Matten auf dem Boden mit Gambaa, unserem Fahrer und der juengsten Tochter. Meine Schuhe stelle ich neben meinen Kopf, beim Buddhaaltar - ein lautes Gekicher in der Jurte. Wir lernen. das Fuesse NIE gegen Buddha zeigen duerfen.... Das Knistern des Feuers und der stetige Schafsduft begleitet uns in den Schlaf und laesst uns von dem traeumen, was kein Traum ist.

Am Morgen weckt uns das Rufen des Grossvaters, das der juengsten Tochter gilt. Es ist eisig kalt geworden und immernoch dunkel. Wir wickeln uns besser in die Schlafsaecke, die Tochter lautlos aus der Decke. Sie macht Feuer, kocht Tee, geht melken... Erst als es wohlig warm wird, steigen alle  aus ihren Betten. Fruehstueck. Pasta mit getrocknetem Schaffleisch...Die Pferde werden auf die Weiden getrieben, Wasser wird geholt, der Tag hat begonnen, der Rhythmus wird zu einem weiteren Ritual.



Unsere Zeit ist gekommen, wir packen unsere sieben Sachen, verabschieden uns herzlich voneinander und wuenschen, uns wieder einmal zu sehen. Diesen Traum weiter traeumen zu koennen - in der Realitaet.