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Dreamtime - Traumzeit

Geschrieben von Sandra
  
Monday, 24. September 2007

 

Dreamtime - Traumzeit.... Ja, wir haben eine traumhafte Zeit in den letzten drei Monaten in diesem Land verbracht. Wir sind mehr als 7000 km ueber roten Sand, Holperstrassen und gerade Highways gefahren, haben wunderschoene Naturformationen entdeckt und bewundert. Konnten etwas vom australischen Leben miterleben, sind mit vielem in Beruehrung gekommen... nur mit einem nicht. - mit der Kultur, die seit ueber 40'000 Jahre diesen Kontinent bewohnt, belebt, beseelt... Mit den Menschen, die in und mit dieser rauhen Natur ihr Leben lebten oder vielleicht immer noch irgendwo leben... Wo ist ihre Dreamtime geblieben?


Wir haben ihre Spuren entdeckt, ihre Kunst bestaunt - an Felswaenden und in Gallerien, ueber ihr Leben gelesen in Ausstellungen. Mit Australiern gesprochen und Verschiedenes darueber gehoert. Wir haben Menschen gesehen, die mit der heutigen Zeit - mit unserer Zeit - nicht klar kommen. Sich trost im Alkoholrausch suchen, sich mit Benzindaempfen versuchen der Zeit zu entziehen...


Wir haben viel fotografiert, versucht festzuhalten, was uns beruehrt, fasziniert - Augenblicke, Momente, Menschen. Portraits gemacht von Australiern, deren Vorfahren vor etwas mehr als 200 Jahren hier eingewandert sind. Aber kein einziges Bild von einem Mensch, dessen Vorfahren vor mehr als 40'000 Jahren Zeuge der Traumzeit - the Dreamtime war...


aboriginal_art 

 


Wir haben uns viele Gedanken gemacht, versucht zusammenzusetzen, zu verstehen...

warum... wieso... weshalb...


Warum... gibt es Aboriginalland, das eingezaumt ist und nur mit Bewilligung betreten oder durchquert werden kann?

Wieso... gibt es ausdrueckliche "Trockenzonen" in diesen Reservaten, in denen kein Alkohol verkauft, eingefuehrt oder konsumiert werden darf?

Weshalb... muss in gewissen Orten mit "Opalpetrol", diesem speziellen Benzin, das keinen Schnueffeleffekt bewirkt, herumgefahren werden?

Warum koennen Aboriginal gratis Studieren, erhalten kostenlos aerztliche Pflege und Medizin, bekommen Haeuser zur Verfuegung gestellt waehrend die Australier fuer alles selber aufkommen muessen? 

Warum wird in den Schulen vermittelt, dass die australische Geschichte erst im Jahr 1780 mit Capitain Cook und nicht bereits mit der Traumzeit, den Urbewohnern dieses Landes beginnt?
Wieso wird diese 1000jaehrige Kultur nicht mit-geteilt? 

Wieso musste es ueberhaupt soweit kommen, was koennte verbessert, geandert werden...wie koennten diese zwei Kulturen lernen miteinander zu Leben - ihr Leben gegenseitig zu respektieren? 
Warum, wieso, weshalb...

 


Wir hatten Glueck. Als wir beim Ningaloonationalpark am Tor warteten, standen Chrisie und Mick mit ihrem Van vor uns. Sie beide leben in Melbourne und arbeiten fuer eine Aboriginal NGO. Es war wie ein Geschenk sie zu treffen. Sie halfen uns, das eine oder andere etwas besser zu verstehen, versuchten uns die Zusammenhaenge naher zu bringen.


Alles ist viel viel komplexer, als wir es uns je vorgestellt haben... Und doch eines vermuteten wir... Durcheinander geriet erst alles, als der weisse Mann meinte, er wisse es einmal mehr besser und so muesse gelebt werden...


Hier ein winziger Einblick aus der unendlichen Komplexitaet...


Die Aboriginals lebten vor Captain Cook sozusagen wie wir in der Schweiz in unseren Kantonen in ihren eigenen kleinen Laendern. Jedes "Land" hatte seine eigenen Besonderheiten, Rituale und Regeln, die respektiert werden mussten. Wie auch sonst auf der Welt wurde getauscht, gehandelt, verteidigt, gekaempft, verloren, gewonnen. Auf dem ganzen Kontinent werden mehr als 500 Sprachen gesprochen, Geschichte wurde immer muendlich weitergegeben, darueber gesungen oder gemalt. Von der Natur wurde genommen und gegeben, Mutter Erde wurde immer geehrt. Die Elders zu respektiert, war selbstverstaendlich. Die Familie mit all seinen Verwandten und Bekannten waren eine Einheit und sorgten stets fuer einander. Sie waren immer Nomaden, lebten in und mit der Natur, gingen auf Walkabouts, spirituelle Wanderungen und pflegten Rituale.


aboriginalmap 


Dann kam der weisse Mann, trieb verschiedenste Aboriginalvoelker zusammen, Feinde wie Freunde. In Ketten wurden sie gelegt - zur Arbeit gezwungen. Umgesiedelt, abgeschlachtet. Mischlingskinder wurden aus dem Clan genommen, die verlorene Generation entstand. Wir Weissen meinen bis heute, dass wir wissen, wie das Leben gelebt wird... Kleider, Haeuser, Alkohol, TV, DVD, Geld, Auto...Jeder ein Individuum, selber fuer sich verantwortlich, Familienzusammenhalt zaehlt wenig. Die von uns so hoch gepriesene Zivilisation. Der Unterschied zwischen dem "wilden" und "besseren" Mensch.


Zwei der verschiedensten Kulturen prallen hier aufeinander - weiss gegen schwarz, schwarz gegen weiss. Es scheint, als gebe es nur schwarz und weiss!


Irgendwann kommt vielleicht die Zeit, wo wir aufeinander angewiesen sind, voneinander lernen , miteinander leben koennen.