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OZ Tagebuch Adelaide - Alice Springs

Geschrieben von Sandra
  
Wednesday, 28. May 2008
  • Gumeracha - 24.04.-10.05.2008

Aloha Tonga - G'day Australia... Eine halbe Ewigkeit dauert es, bis wir wieder "zuhause" sind... Zwischenstopp in Sydney, Verspaetungen im ganzen Land wegen starken Regenfaellen, dafuer mehr Zeit fuer ein Schwaetzchen hier und dort und nach einem Hamburger zu jagen nach der sieben woechigen Fischzeit:o) Im Anschlussflug nach Adelaide sitzt Alister neben uns. Nach 1 1/2 Stunden Flug, Diskussionen ueber Gott und die Welt und die schoensten Plaetze auf dieser Erde sind wir fuer ein Essen bei ihm in den Adelaide Hills eingeladen, um seine Familie kennen zu lernen... Willkommen in Australien :o)



Unterdessen warten Jenny und Trevor ebenfalls eine halbe Ewigkeit am Flughafen auf uns - Ankommen und von Freunden erwartet werden ist etwas vom Schoensten... Auf der Heimfahrt erfahren wir das Neuste ueber ihre Girls und deren Geburten von Kaelbern. Wir sehen und fuehlen auch, dass der Herbst hier in den Hills nun definitiv Einzug gehalten hat. Empfindlich kuehl ist es geworden, die Baeume, die vor kurzem noch mit roten Aepfeln behangen waren, stehen jetzt nur noch in ihrem Blaetterkleid da. Die Trauben sind ebenfalls geerntet und die Reben erstrahlen in ihrer schoensten Farbenpracht. Und irgendwann liegen wir im Bett in "unserem" Queensroom und freuen uns, wieder hier sein zu duerfen. In den naechsten Tagen werden wir entscheiden, ob wir nach Sydney fahren und dort unser Auto verkaufen und in eine Himmelsrichtung weiterziehen oder Australien eine weitere Chance geben, um uns hier zu behalten...


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Am naechsten Morgen verschlafen wir die Geburt eines weiteren Kalbes... Wir sehen noch, wie die Mutter es ableckt und sein schwarzes Fell von all der Feuchtikeit in der Morgensonne glaenzt. Ein schoener Tag um auf die Welt zu kommen aber brrrrrr, herbstlich kuehl... Hoffentlich schaffen wir es, das naechste Mal dabei zu sein - sieben Chancen haben wir ja noch!


Jenny hat einen Arzttermin in der Stadt, doch sind Trevor's Rueckenschmerzen ueber Nacht staerker geworden. Ein ihm leider wohl bekanntes Gefuehl. So fahren wir die beiden zu Jenny's Spitaltermin. Als wir zurueckkommen, um sie wieder abzuholen, erleben wir einer der Kraempfe Trevors, ausgeloest von den starken Rueckenschmerzen, die ihn fast kollabieren laesst... Thomas faehrt in in Gumeracha direkt zum Arzt, wo er in der Praxis einen weiteren "Krampf" erlebt. So wird er direkt ins Spital eingewiesen, wo er eine Woche liegen muss, bis er nach Roentgen- und MRI-Abklaerungen schlussendlich nach Adelaide verlegt wird. Nach mehr als zwei Wochen starken Schmerzen und nur im Bett liegen, wird endlich ein Termin fuer die Operation in der Wirbelsaeule festgelegt...


Waehrend all dem versuchen wir so gut wir koennen den beiden auf der Farm zu helfen. Thomas bekommt vom Nachbar einen Crashkurs im Traktorfahren. Endlich weiss er mal, wie sich so ein Ding faehrt und nicht nur repariert;o) Er lernt, wie man mit dem Gabelstapler Heuballen aufspiesst und ueber die Weiden zu den Kuehen bringt um diese zu fuettert. Jeden zweiten Tag gehoert dies nun zu unseren Aufgabe. Von wegen dumme Kuh - Jenny's und Trevors Kuehe lernen schnell und realisieren schnell, dass wir die neuen Futterbringer sind. Mit lautem Gemuuuuuhe machen die Girls auf sich aufmerksam, sobald sie uns aus dem Haus laufen sehen. Wenn dann noch der Motor des Traktors anspringt, rennen uns alle entgegen und veranstalten ein ohrenbeteubendes Muh-Konzert. Die Schafe nebenan sind am Anfang noch etwas zurueckhaltend. Bald stimmen auch sie in die Futter-Konzerte mit ein und lassen sich sogar streicheln. Ihr wollenes Fell ist so dicht, die oberste Schicht fuehlt sich fast hart an. Graebst du die Finger hinein, merkst du, wie fetthaltig die Wolle ist und wie gut diese vor Wind und Wetter schuetzt. Von wegen bloedes Schaf... Da haben wir fast ein bisschen mitleid mit all den Kaelbern, die im Vergleich zu den Schafen halb nackt in dieser Jahreszeit auf die Welt kommen. Kein Wunder will keines mehr aus dem wohlig warmen Mutterleib raus. Die noch schwangeren Muetter machen keine Anzeichen, kauen friedlich das frische Heu, keine zieht sich auf der Weide in eine ruhige Ecke zurueck um sich langsam aber sicher auf die Geburt einzulassen. Wir hoffen immernoch, dass wir einmal dabei sein koennen. Am Liebsten haetten wir ein Maedchen - bei einem Jungen muessten wir ein Gummiringli um seine Hoedeli spannen, damit er gutes Beef wird... und das wollen wir nicht wirklich...


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Manchmal kommt mir die Weide wie eine grosse Spielgruppe vor. Alle Kaelber liegen im frischen Heu, wo es schoen warm und kuschelig ist oder sie springen zusammen wie junge Ziegen ueber Stock und Stein. Es scheint aber, dass immer eine der Muetter in der Naehe der uebermuetigen Horde ist und ein waches Auge auf sie hat. Zwischendurch rufen die einzelnen Muetter ihre Kinder mit einem tiefen Muhen wieder zu sich. Gierig - und ziemlich unsanft! - saugen die Kleinen am Euter, den sie mit niemandem teilen wuerden. Wirklich gut sind sie untereinander organisiert, diese alleinerziehenden Muetter. Der Vater - uebrigens der selbe von schlussendlich all den 20 Kaelbern! - ist laengst ueber alle sieben Berge wieder verschwunden. Er wurde fuer 10 Wochen bestellt, bzw. gemietet, um all die Ladies zu "begluecken" - was er scheinbar auch wirklich geschafft hat;o) Er muss ein recht dominater Typ gewesen sein, die Kaelbli sind naemlich ganz der Vater... Die Muetter sind alle braun-weiss, die Kaelber jedoch alle schwarz-weiss...


Zwischendurch gibt es dann auch mal noch eine Cow-Emergency. Nummer 27 steht in einer Ecke mit ihrem Kalb, zurueckgezogen vom Rest. Einen Teil ihrer Gebaermutter und sonstigen Eingeweiden schauen unter dem Schwanz hevor! Jenny bestellt den Tierarzt, der leider erst Stunden spaeter kommen kann. Unglaublich, wie man als Frau da mitfuehlt... Irgendwann wird vom Tierarzt alles wieder hineingestossen und zugenaeht... Nummer 27 darf darauf hin mit ihrem Kalb in einer eigene kleinen Weide wohnen und zwar beim Wasserloch. Diese Weide wird nun zum "Krankenzimmer". Hier koennen wir sie gut beobachten und auch kontrollieren, ob sie das Heu frisst, das wir ihr bringen. Die Tage vergehen, Nummer 27 liegt oft im Gras, laesst aber zwischendurch ihr Kalb an den Euter. Fressen tut sie nicht wirklich, bewegen will sie sich auch nicht und Durchfall hat sie... Dann faellt uns auch noch X9 auf... Sie humpelt und kann kaum zum Heu laufen. Ein Vorderhuf, sozusagen die Zehennaegel, sind uebereinander gewachsen... Wir glauben schon, dass sie auch ins Krankenzimmer verschoben werden muss, aber nach einigen Tagen hat sich wohl das Huf selber abgeschliffen und sie geht wieder besser.


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Wir geniessen es, "Farmer" sein zu duerfen und auch Jenny und Trevor im richtigen Moment eine Hilfe zu sein, da sie soviel fuer uns getan haben. So stehen wir Tag fuer Tag auf, wenn die Huegel noch im tiefen Nebel liegen, bis die Sonne ihn vertrieben hat. Finden es schoen, wieder einmal so richtig arbeiten zu koennen und staunen ueber die schoenen Herbstfarben, die farbigen Blaetter, die wir schon so lange nicht mehr gesehen haben. Wir haben uns schon so sehr an diese schoene Gegend gewoehnt, manchmal fuehlen wir uns wie in an einem Herbsttag in der Schweiz. Nicht einmal mehr die Eukalyptusbaeume verwirren uns - vielleicht ist es auch, weil uns Jenny und Trevor bei ihnen so zuhause fuehlen lassen... Neben dem Fuettern gibt es auf so einer Farm selbstverstaendlich noch viel mehr zu tun. Onkel Andrew zeigt Thomas, wie man mit einer Motorsaege umgeht. So werden gefallene Baeume in Kleinholz verarbeitet. Saegen, in Ofengroesse hacken, auf den Anhaenger laden. Das Gumtree Holz ist unglaublich hart - wohl so hart, um dieser harschen Natur zu trotzen. Und es traegt die Farben Australiens in sich - wunderschoene Rottoene verbergen sich unter der schuetzenden Rinde. Wir geniessen die koerperliche Arbeit an diesen herrlichen Herbsttagen und den Muskelkater am Abend. Und sind sicher, dass Jenny und Trevor ueber den Winter nicht erfrieren muessen.


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Zwischendurch besuchen wir immer wieder Trevor und wuenschen ihm nichts mehr, als dass er bald wieder wie ein junges Kaenguruh herumhuepfen kann. Doch leider sieht es bis jetzt noch gar nicht danach aus...


Dann kochen wir viel, bringen Jenny die Schweiz naeher mit Zopf, Roesti, Zuerigeschnetzeltem. Und an einem Abend haben wir eine grande Spaghetti-Party. Onkel Andrew und Sarah sind eingeladen und wir kreieren home made Bolognaise, Carbonara, Pesto samt Tiramisu fuer unsere Freunde. Nur noch der Grapa fehlt;o) Und Thomas bekommt mit etwas "viel" Verspaetung, aber um so herzlicher, sogar noch seinen Geburtstagskuchen - dieser koennte tatsaechlich nicht nur zu unserem sondern auch zum Kafi "Alltag" gehoeren, so gut wurde er und war bestimmt kein Vergleich zum Cake-Mix, den ich fuer ihn in Tonga gekauft habe und zum Glueck nie backen konnte... Kulinarische Hoehenfluege nehmen kein Ende. An einem Tag fahren wir mit unserem Schoggimousse zu Alister und seiner Familie. Auch sie leben wunderschoen gelegen. Ein riesen Haus auf einem Berg - weit und breit keine Nachbarn, nur Gumtrees, Buesche, Kaenguruhs und Koalas. Wir verbringen bei ihnen einen gemuetlichen Tag und finden es einmal mehr typisch australisch, als sie uns von ihrem Jahr mit der ganzen Family in einem Campertrailer rund um Australien erzaehlten. Eine Familie mehr, die wir kennen lernen und diese Moeglichkeit genuetzt hat, ihre Kinder selbst zu schulen und so ein besonderes Familien-Erlebnis zu haben...


Neben all diesen Abenteuern versuchen wir unsere Zukunft zu planen. Wie, wo, wann und wohin weiter? Die Schweizer und Deutschen Schulen weltweit sind immer noch eine Moeglichkeit. Mexiko und Aethiopien haben sich fuer mich herauskristallisiert. Englisch unterrichten in China waere jeder Zeit auch moeglich. Doch Australien ist und bleibt unser Favorit. Aber... Geraldton tuempelt weiter vor sich hin, die Stelle in einer Schule in Darwin fuer mich laesst auch auf sich warten, hoert sich ohne Arbeitsvisum nicht mehr so vielversprechend an... Wir entscheiden uns deshalb, die Visumsgeschichte nochmals selber aktiv in die Hand zu nehmen und so vielleicht doch noch einen anderen Weg zu finden. Die Immigration in Adelaide ist beeindruckend - aber nur von ihrem Gebaeude her. Die Dame hinter dem Empfang gibt uns wieder Formulare, die wir alle schon kennen, Hilfe finden wir keine. Die letzte Chance ist ein Migrations Agent selber und direkt. Er koennte noch ein Tuerchen fuer unsere Situation kennen... So landen wir bei Glenn, der uns gerne versucht weiter zu helfen. Da er so stark ausgebucht ist und wir bald weiter moechten, vereinbart er mit uns einen Termin an seinem freien Tag. Er muesse aber seine zweijaehrige Tochter mitbringen. Kein Problem fuer uns. Bei unserem Treffen erhalten wir viele wertvolle Tipps - und nach den 1 1/2 Stunden will er kein Geld von uns, weil es nicht sehr "geschaeftlich" war und wir mit seiner Tochter gespielt haben... Wir koennen Glenn to jedermann empfehlen der aehnliche plaene hat... hat vernuenftige Preise nicht wie  teilweise andere Agenten.


Thomas meldet sich ein weiteres Mal in Geraldton und unterbreitet "seinem" Chef die neusten Erkenntnisse und dass wir mit Glenn zusammenarbeiten moechten. Und ploetzlich bewegt sich doch etwas... wieder... weiter... oder ist es doch nur ein weiteres Fuenkchen Hoffnung, das bald wieder erloeschen wird??? Ich habe aufgehoert daran zu glauben, aber vielleicht ist es eben gerade das Loslassen, dass wieder Moegliches moeglich macht... Wir entscheiden uns, so oder so, uebe die rote Mitte nach Darwin zu fahren. Dort koennen wir persoenlichen Kontakt mit der Schule dort oben schaffen, und geben so Geraldton zum aller letzten Mal nochmals etwas Zeit, ausserdem kommen wir wieder in die Waerme. Adelaide ist ja soooooo kalt! Und falls sich bis dann noch nichts entschieden hat, haben wir uns entschieden, unser Auto zu verkaufen und Australien zu verlassen.


Jenny hat sich mit ihren Nachbarn und Familie organisiert, so ist der Farmteil auch abgedeckt. Travor hat einen bevorstehenden Operatonstermin und so heisst es fuer uns, unsere sieben Sachen zusammen zu packen und wieder unterwegs zu sein - ins Ungewisse, in alle Moeglichkeiten und vielleicht doch immernoch auch in ein kleines bisschen Hoffnung...


  • Lake Hart - 11.05.2008

So ist der Tag gekommen wieder einmal Abschied zu nehmen... Loszulassen, liebgewonnene Menschen vielleicht nie mehr wieder zu sehen... Danke Jenny und Trevor fuer eure Freundschaft, dass wir bei euch ein Zuhause auf der anderen Seite der Welt gefunden haben und the bloody Swiss einen Teil eurer Familie werden durften!


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Still sitzen wir in unserem Auto und fahren durch die kurvige Landschaft der Adelaide Hills, durch den farbenfrohen Herbst. Jeder mit seinen eigenen Gedanken beschaeftigt, jeder fuer sich traurig. Irgendwann werden die Strassen wieder gerade, irgendwann fuehlen wir uns auf ihnen wieder aufgehoben, wir kreuzen viele Wohnwagen, Haeuser auf Raedern, die den grauen Nomaden gehoeren. Fuehlen uns mit jeder Begegnung auf der unendlich geraden Strecke in die Mitte Australiens mit ihnen, mit den grauen Nomaden und der dazugehoerenden Reisewelt mehr und mehr verbunden. Gegen Abend, als wir unser Nachtlager auf einen der vielen offiziellen Rastplaetze gefunden haben, sind wir auch wieder welche geworden - zwar noch nicht grau, aber eindeutig Nomaden.


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Der Hart Salzsee leuchtet in sanften Farben in der Abendstimmung, die Salzkristalle glaenzen wie Eiskristalle, die Salzkruste knirscht wie eine duenne gefrorene Schneeschicht unter unseren Fuessen - das wohlbekannte Geraeusch laesst uns fuer einen Moment in die Schneeberge zuhause versetzen - ein bisschen Schweiz findet man selbst in der Mitte Australiens... Wir lernen zwei Sydneyaner kennen. Sie haben zwei Wochen Ferien, haben den Uluru besucht und sind jetzt wieder auf dem Heimweg. 6000 km hin und her - das ist Australien, das sind Australier. Crazy!

 


  • Coober Pedy - 12.05.2008

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Mit jedem Kilometer wird die Erde roeter. Mit jedem Kilometer entdecken wir mehr Sandhuegel, manchmal gar Sandberge. Wir naehern uns Coober Pedy, dem Opalmekka, der Ort wo Menschen nicht nur vom ganzen Land anzieht, sondern auch von der ganzen Welt. Der Ort, wo viele auf Glueck hoffen, das mit Reichtum verbunden ist. Es ist tatsaechlich ein spezieller Ort. Man muss wohl ein bisschen Freak sein um hier leben zu wollen, hier, im Mitten von Nichts, ausser Sand, Kalkstein und dazwischen vielleicht irgendwo verborgen der glaenzend glitzernde so erhoffte und alles ermoeglichende Opal. Es ist wirklich ein wunderschoener Stein, es scheint, als sei eine kleine Welt darin aufgehoben, so schoen kann er funkeln. So ist Coober Pedy wohl der groesste Sandhaufen der Erde geworden, wo Verrueckte wie verrueckt mit selbst zusammengebastelten Maschinen graben, sprengen, fluchen, hoffen und vielleicht fuendig werden. Da es hier im Sommer ueber 50 Grad heiss werden kann und in den Winternaechten empfindlich kalt, ist ein grosser Teil der Stadt unterirdisch gebaut, wo die Temperatur das ganze Jahr mehr oder weniger ausgeglichen sind. Hier arbeiten die Menschen nicht nur im Sand, sie leben mit ihm und auch darin! Beim genauen Hinschauen entdeckt man tatsaechlich immer wieder eine Eingangstuere in einem solchen Haufen! Wir besuchen eine Untergrundkirche, sehen eine Bibliothek, viele Kunstgallerien, alles underground... Wir wollen auch ein Maulwurfleben leben und stellen unser Zelt auf einem unterirdischen Campplatz auf. Eine nicht mehr aktive Mine wurde zu diesem umfunktioniert. Speziell, angenehm kuehl, Platzangst daf man keine haben, absolut Schalldicht - wir hoeren in der Nacht nicht nur das Schnarchen unserer Nachbarn, sondern auch noch andere Geraeusche...


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Um diese Menschen hier etwas mehr zu verstehen, machen wir eine Minentour in unserer zeltplatzeigenen Mine. Der Besitzer ist eindeutig auch ein Freak und wir bekommen einen Crashkurs fuer angehende Mineure. Wir erfahren, wie man sich einen Platz ueberhaupt ausliest. Man nehme zwei Draehte, biege je im hinteren Drittel einen rechten Winkel rein und laufe so uebers Land, bis sie ausschlagen. Sozusagen eine Opal-Wuenschelrute. Unglaublich aber wahr, die Draehte schlagen in unseren Haenden aus! Weiter werde wir in die Kunst des Sprengens eingefuehrt, in Laengen von Zuendschnur, wie man einen Sprengkoerper aus Zeitungsrollen bastelt und und und... Hoeren verrueckte Geschichten von Mineuren, die ihr grosses Geld gemacht, dann wieder verloren haben und wenn sie nicht gestorben sind, heute noch am Graben sind. Nein danke, das waere nie ein Leben fuer uns!


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Ein kleines bisschen versuche ich mich dann aber doch noch als Mineurin. Es gibt eine Stelle neben der Stadt, die voller Ausgrabungssand ist, ein Riesenhuegel neben dem anderen. Dort kann jeder mit Sieben sein Glueck im Opalfinden versuchen. Diese Technik nennt man Noodeling. Mir erklaert ein weiterer Freak in einer Art Gallery, auf was ich achten muss und wie ich Opale erkennen kann. Um das Glitzern unter der duennen Staubschicht entdecken zu koennen, muesse man am Stein lecken. Tue man dies zu viel, werde man bald vom Opalfieber befallen... Mir ist es nicht passiert - aber ich habe auch nichts gefunden...


  • Northern Territory Border - 13.05.2008

Wir lernen Sophie und Jan kennen, zwei Belgier auf Weltreise. Mit ihnen zusammen machen wir uns auf den Weg zum Uluru. Vorher halten wir aber noch bei den Brakeaways neben Coober Pedy an, einem Huegelzug der mit seinen Farben so sehr betoeren kann, wie die des Opals. Es soll eine heilige Staette der Aboriginals sein, was wir sehr gut verstehen koennen - wie wunderschoen es wohl in der Abendstimmung hier aussieht?

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Der Weg fuehrt uns am Dog-Fence entlang, dem ueber 5000 km langen Zaun, der die Hunde, bzw. die Dingos vom Eindringen nach Sueden und Osten fernhalten soll. Unglaublich, verrueckt. Einfach ein laaaaaaaaanger Zaun quer durchs Land - das laengste von Menschen geschaffene Bauwerk... laenger als die grosse Mauer in China...

Uebernachten tun wir genau auf der Grenze zwischen South Australia und Northern Territory. Zwei Mal so gross wie Frankreich ist der Staat NT, jedoch nur mit weniger als zwei Mal die Menge Menschen, die in Winterthur wohnen! Davon leben 100'000 in Darwin selber, die anderenn 80'000 wie Konfettis ueber den Rest des Staates verteilt!

 

 

  • Uluru - 14.-16.05.2008

Ayersrock... einer der Haupttouristenattraktionen im Land... Eigentlich wollten wir nie dahin, jetzt sind wir doch da. Wir erwarten nicht viel, nur ein Monolit im roten Zentrum und viele viele Touristen. Doch was wir vorfinden, beruehrt uns sehr...

Von Weitem merkt man noch nichts von dem. Je naeher man kommt, desto mehr zieht er einem in seinen Bann. Wunderschoen, mayastaetisch und doch einfach natuerlich, sanft und rund und doch steinig und kantig. Heilig fuer die Anangu People, die hier seit ueber 40'000 Jahre leben. Um mehr zu verstehen, besuchen wir das Kulturzentrum nebenan. Lesen uns ein, bewundern ihre Kunst und sind tief beeindruckt von ihrer Kultur. Wir schauen einen Film und merken, wie Maenner- und Frauenrituale auch bei ihnen strikt getrennt sind. Maenner haben Inizierungsriten, Frauen haben andere. Mich beruehrt die Frauenkultur sehr. Realisiere, wie wichtig das "unter Frauen sein" auch fuer mich ist, wieviel es mir bedeutet, wie sehr ich "meine" Frauen vermisse...

Am Abend moechten wir den Sonnenuntergang am Uluru erleben. Nach langem Hin- und Herueberlegen, fahren wir doch auf den Sonnenuntergangs-Parkplatz zu all den anderen Besuchern. Wir haben etwas Angst, dass die Stimmung dadurch verdorben werden koennte, sind aber erstaunt, dass wir einen einsamen Parkplatz finden, weg von der Masse. Und mit der untergehenden Sonne, mit jeder Minute, gar Sekunde aendert sich die Farbe von Uluru - doch die Ausstrahlung bleibt die selbe, selbst als die Sonne schon laengst verschwunden ist und vom Mond und den Sternen abgeloest wurde.

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Den Sonnenaufgang schaffen wir nicht, es ist zu kalt um in aller Dunkelheit aus dem warmen Schlafsack zu kriechen... Erst als die Sonne unser Zelt aufgewaermt hat, wagen wir uns hinaus. Ein gemuetlicher Morgen verbringen wir zusammen mit Sophie und Jan und entschliessen uns am Nachmittag, die Olgas zu besuchen. Kata Tjuta sehen wir am Horizont. Der Wind muss wohl ueber all die Jahre um diese roten Steine stetig herum geblasen haben. Schoenste abgerundete Formationen werden vor uns deutlicher und deutlicher. Wir sind erstaunt, auch hier nicht viele Touristen vorzufinden und entschliessen und fuer den "Vally of the Wind Walk". Am Anfang kommen uns noch einige Leute entgegen, nachher teilen wir uns die Schoenheit und die Ruhe nur noch mit den Kaenguruhs, den Voegeln und dem Wind. Wir schaffen es gerade auf den Sonnenuntergang zurueck. Die sanfte Abendroete laesst Kata Tjuta fast mystisch erscheinen.

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An unserem letzten Tag in diesem Ort nehmen wir am Morgen an einer Ranger Fuehrung teil, die ein Stueck des Uluru Base Walks abdeckt. Spannend, was wir vom Ranger hoeren zu den einzelnen Hoehlen, Wandmalereien, Frauen- oder Maennerorte und wie die Anangu hier mitten in der Wueste ueberleben konnten.


Anschliessend machen wir den 9,5 Km langen Base Walk selber zu ende. Ich bin vom Uluru ganz fasziniert. Es ist, als wuerde man ein Gemaelde anschauen, so makellos ist seine Erscheinung, so eindruecklich. Zurueck in die Realitaet werden wir immer wieder von Schwaermen kleinster Voegel geholt. Sie sitzen im Gras, sind dort versteckt. Dann fliegen siw wie auf ein Signal alle miteinander als Wolke auf und flattern an uns vorbei. Sie erinnern mich an die fliegenden Fische, die wir so oft in den Meeren beobachtet haben. Lassen uns mitten in der Wueste im tiefsten Ozean fuehlen - sind weder Fisch noch Vogel...


Beim Rundgang entdecken wir immer wieder Schilder, die darauf aufmerksam machen, dass dies eine heilige Staette ist und von diesem Teil kein Foto gemacht werden darf. Wir respektieren dies gerne. Nur koennen wir nicht verstehen, wieso es immernoch Menschen gibt, die Uluru besteigen, obwohl wieder und wieder gebeten wird, dies aus Respekt fuer die traditionellen Besitzer des Landes nicht zu tun, weil dies hier sehr sehr heilig fuer sie ist... Schliesslich wuerden wir zuhause ja auch nie ueber einen Altar in einer Kirche steigen, oder??? Auch wird gebeten, nichts von diesem Ort zu entfernen. Kein Stein, kein Sand - es wird einem auch Unheil profezeiht, wenn man dies tut. Im Kulturzentrum findet man dazu uebrigens einen dicken Ordner mit vielen Briefen und Karten von ehemaligen Besuchern, die trotzt allem ein Souvenier mit nachhause genommen haben. In vielen steht, dass sie seither unglueck im Leben hatten, dies sehr bereuen und das entfernte Stueck wieder Originalplatz retournieren moechten. Es vergehe selten eine Woche, wo kein Paeckchen ankomme mit Uluru-Steinen oder Sand von irgend einem Ort der Welt...


Jetzt koennen wir verstehen, dass von diesem Ort soviel geredet wird. Er ist tatsaechlich etwas ganz Besonderes - nicht nur das rote Zentrum von Australien, vielleicht wirklich auch ein bisschen dessen Herz...


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Diese Nacht verbringen wir etwas ausserhalb des Parkes, in Curtin Springs, einem Roadhaus auf dem Weg nach Alice Springs. Nichts Besonderes, einfach eine Tankstelle im Sand, ein Zeltplatz im Sand aber ein Emu, das uns ziemlich eindruck macht... Waehrend wir am Zeltaufstellen sind, stolziert dieses Emu uns entgegen und inspiziert uns und vor allem unser Auto genaustens. Frech streckt es seinen langen Hals in den Kofferraum und pickt in unseren Sachen herum. Der Abwaschlappen muss ihm am meisten Eindruck machen, den will das Emu mitnehmen. Von unseren Verscheuchungsversuchen laesste es sich ueberhaupt nicht beeindrucken...


Als wir dann im Zelt sind, hoeren wir es immer wieder um uns herumschschreiten. Ein tiefes Gurren, oder vielleicht sogar eher ein Grunzen - wenn wir es nicht besser wuessten, koennte man meinen, ein Wildschwein umzingelt uns... Mitten in der Nacht wird es ihm wohl zu kalt, so versucht es in unser Zelt zu steigen. Zuerst sitzt es still nur am Aussenzelt und lehnt etwas an, wir koennen es beruehren. Dann aber versucht es seine langen Beine unter unser Zelt zu graben, was wir nicht mehr so lustig finden. Mit seinen Krallen koennte es dieses locker in Stuecke zerreissen! Thomas versucht das freche Emu wegzustossen - ohne Erfolg. Dann will er aus dem Zelt, doch als er den Reissverschluss oeffnet, streckt ihm ein langer Hals neugierig zwei kugelige Augen und einen Schnabel entgegen. Nach mehreren Wegstossversuchen bewegt es sich etwas, Thomas kann aus unserem Zelt raus und versucht es wegzulocken. Es spaziert mit ihm um den ganzen Campplatz herum, immer dicht auf seinen Fersen - ein Mitternachtsemuspaziergang. Irgendwann laesst es uns in Ruhe... Am Morgen muessen wir aufpassen, dass es nicht aus unserer Mueslischale pickt. Den Brotanschnitt darf es haben - doch ohne Butter und Konfi;o)


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  • Alice Springs -17.05.2008

Die East- und West Macdonnell Ranges bilden ein eindrueckliches Eingangstor zu Alice Springs. Eine Stadt in Mitten von Nichts. Aber eindeutig ein Knotenpunkt fuer Touristen von Sueden nach Norden, von Westen nach Osten und umgekehrt. Fuer uns der ideale Ort um wieder einmal einzukaufen und zu interneteln... Jeder zweite Laden in der Mall ist ein Souvenir Shop. Das erste Mal sehen wir auch viele Aboriginals. Hier sitzt eine Gruppe im Gras, dort sitzt eine weitere auf der Mauer... Die einen scheinen dem "Stadtleben" verfallen zu sein, andere jedoch machen den Eindruck, ihrem engen sozialen Leben mitten auf der Strasse einfach gerecht zu werden...

Wir haben uns entschieden, eine Nacht hier auf einem Campingplatz zu verbringen, nochmals Kontakt mit Geraldton zu schaffen und dann fuer ein paar Tage in die roten Huegelzuege der West Macdonnell zu fahren.

 

 

  • West Macdonnell Ranges - 18.-20.5.2008

Bevor wir dorthin aufbrechen, besuchen wir die "Royal Flying Doctors", die in ihrem Hangar gerade Tag der offenen Tuer haben. Spannend, was wir dort alles erfahren, wie verknotet ihr Netz ist und wie sie mit ihren schweizer Pilatus-Flugzeugen in die hintersten Ecken Australiens vordringen und dort Menschenleben retten! Ja, ein solches riesen Land braucht ein System wie dieses, wenige in Not geratene Menschen haetten eine Chance ohne sie... Darum haben wir jetzt ein Kleber mehr an unserem Auto: Keep the Royal Doctors flying!


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Die West Macdonnell Ranges sind beeindruckend, wir halten in den verschiedenen Schluchten, finden schoenste Wandmalereien und Wasserloecher vor, die Leben hier mitten in der Wueste ermoeglichen und erhalteen. Unser Wohnort wird die Ellery Gorge fuer die naechsten zwei Naechte. Roter Sand, rote Felsen, ein paar trockene rot bestaeubte Buesche und eine blaue Toilettenanlage mit Spuelung mitten in dieser Trockenheit! Wir staunen immer wieder, was fuer Wasserreserven hier unter dieser Erde verborgen sein muessen - in dieser Wueste. Auch beim Uluru war Wasser in Huelle und Fuelle vorhanden, Heisswasserduschen, Waschmaschinen und und und. Unser blaues Toilettenhaus will aber irgendwann nicht mehr waessern. Bald steht der Ranger da mit Fachpersonen und bringt das Ganze wieder zum Fliessen. Es sei eine kleine Klaeranlage fuer sich selber, mit verschiedensten Filter und UV-Anlage, die das "Bisi-Wasser" reciclet und so ein eigner kleiner Wasserkreislauf hat - Kostenpunkt 600'000 $! Australien ist der bestimmt groesste und best organisierteste Campplatz auf der Erde! Wir geniessen unsere Tage hier, lernen wieder einige der Australier kennen und schlafen mit dem Geheule der Dingos ein. Unheimlich - ob es uns die Nackenhaare wohl wegen dem aufstellt oder einfach, weil es in der Nacht so sehr abkuehlt und wir nie richtig warm in unseren Schlafsaecken werden?


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Unsere naechste Schlucht ist die Orneston Gorge. Auch wunderschoen gelegen aber sehr bevoelkert. Vielleicht wegen der warmen Dusche die es hier zu finden gibt... Wir schleichen uns unter die Dusche, obwohl wir hier nicht bleiben werden, koennen so aber das "illegale" warme Wasser beim Abspuelen des roten Staubes nicht richtig geniessen... Hoeren einem Ranger-Talk zu, der ueber diese Gegend spannendes berichtet. Uebernachten tun wir auf einem Aussichtspunkt, geniessen den Sonnenuntergang von der Anhoehe und das warme Lagerfeuer, zu dem wir von Australiern eingeladen sind. Doch selbst dies samt Portwein kann uns ueber Nacht nicht warm halten...

  • Alice Springs - 21.-23.05.2008

Zurueck in Alice gehen wir direkt zu K-Markt und kaufen uns ein Duvet - fertig mit halbdurchfrohrenen Wuestennaechten! Erstaunlich welche Temperaturschwankungen wir hier Tag fuer Tag erleben. Die Sonne brennt mitten im Tag so sehr herunter, dass man die kuehlen Naechte fast vergessen koennte, bis wir dann bei Sonnenuntergang wieder daran erinnert werden...

No News von Geraldton - grrrrr... Ein weiteres Mal melden wir uns bei ihnen, lassen nicht locker... bad news... Eric, der vielleicht zukuenftige Chef und unsere Kontaktperson wechselt in den naechsten drei Wochen seinen Job... good news... wir werden dann aber - nach fuenf Monaten!! - endlich zum obersten Chef von TAFE verwiesen... Ein Telefon mit Steve hoert sich "vielversprechend" an, was uns aber nicht mehr wirklich aus den Socken haut... Er nimmt die Sache jetzt in die eigene Hand und meldet sich anfangs Woche wieder. Inzwischen wissen wir, wie lange "anfangs Woche" hier in Australien dauern kann...

So oder so, wir bleiben ein paar Tage hier und besuchen eine Aboriginal Schule, zu der wir von Narelle eingeladen wurden, die wir in der Ellery Gorge getroffen haben. Sie arbeitet in dieser Schule, die ausschliesslich fuer Aboriginals ist - vielleicht die schon so lang erhoffte Chance fuer uns, auf eine "natuerliche" Weise so mit ihnen in Kontakt kommen zu koennen. Ken, der Direktor, fuehrt uns auf dem Camp herum und erklaert uns, was fuer Arbeit die Lehrer hier leisten, neben dem "normalen" unterrichten. Diese "private" Tagesschule, die aber trotzdem vom Governement unterstuetzt wird, gibt den Kindern Fruehstueck, Mittagessen und zwischendurch Fruechte und Sandwiches, damit sie sicher gesund - oder leider manchmal ueberhaupt - ernaehrt werden. Dann gehoert zum taeglichen Ritual, dass die Kinder lernen, Nase zu schneuzen und Ohren zu putzen - viele von ihnen haben nonstopp laufende Nasen, welches nicht nur Entzuendungen in den Luftwegen hervorrufen, sondern auch in den Ohrengaengen. Leider haben viele bereits einen deutlichen Hoerverlust dadurch erlitten, brauchen Hoerhilfen. Die Schulzimmer werden in den naechsten Tagen sogar mit speziellen Lautsprecheranlagen ausgestattet, damit die vielen betroffenen Kinder vom Unterricht optimal profitieren koennen. Auch Kleider werden fuer die Kinder organisiert, weil einige Eltern mit sich so viel eingene Probleme haben und es nicht schaffen, auch noch fuer ihr eigenes Kind zu sorgen. Traurige Wahrheit, dann doch nicht immer ganz so anders als in unserer eigenen Kultur. Dies gibt es manchmal leider auch bei uns! Narelle zeigt uns den Kindergarten, wo Kinder von zwei bis vier in dieser Tagesstaette von einer weissen und einer dunklen Australierin betreut werden. Anschliessend duerfen wir einige Zeit in der Pre-School verbringen, bei Rosmarie einer Kenjanerin und Cathy, ihrer Aboriginal-Helferin. Bei ihnen lernen die fuenfjaehrigen Buchstaben und Zahlen in einem Umfeld, das einem Kindergarten bei uns zuhause aehnlich ist. Vier Kinder sind anwesend, sieben fehlen. Es gebe eine "Kerngruppe", die anderen kommen und gehen. Sind fuer einige Wochen auf einem Walkabout oder sonst weg, nehmen unregelmaessig am Unterricht teil, entschuldigt oder unentschuldigt. Wir unterhalten uns mit Rosmarie und haben ein ehrliches und kritisches Gespraech zum Geschehen hier an der Schule, zum Leben mit zwei unterschiedlichster Kulturen. Wahnsinnig, was die Lehrer hier leisten! Und traurig, dass ein so entwickeltes Land eine Seite hat, wo es noch unglaublich viel zu loesen gibt - gegenseitig - miteinander - aber ob das je geschafft werden kann?


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Dann sind wir im Klassenzimmer bei Narelle und Maree. Eigentlich haetten sie auch noch eine Aboriginal-Helferin. Wir lernen neun ihrer Kinder kennen, die andere Haelfte fehlt. Auf den ersten Augenblick fuehlen wir uns in einem wilden Durcheinander, niemand will hinhoeren, stillsitzen, alle reden in ihrer eigenen Sprache... Irgendwann beruhigt sich das Ganze, wir werden vorgestellt und erzaehlen von wo wir kommen. Zeigen ihnen auf dem Globus unser Puenktchen, dass unsere Heimat ist und ein paar Bilder aus Ferienprospekten. Sie sind beeindruckt - wir noch viel viel mehr! Mit Filzstiften malen sie anschliessed ein Bild aus - unglaublich wie sich dieses "Geflatter" in konzetrierte Arbeit verwandeln kann. Das weisse Papier wird zum Kunstwerk. Danach spielen wir mit den Kindern, lernen uns besser kennen, freunden uns mit ihnen an und bei vielen durchdringen wir ihre anfaengliche Distanz. Wir geniessen es, mit ihnen aktiv zu sein. Und ich glaube, Maree und Nerelle auch. So werden wir eingeladen, am Nachmittag an einem schulinternen Konzert teilzunehmen und morgen wieder zu kommen.


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Am Abend sind wir ziemlich aufgewuehlt, muessen zuerst all das verdauen, was wir erlebt, gesehen und gehoert haben... und doch freue ich mich auf den naechsten Tag. Wir bereiten ein paar kleine Spiele vor, nehmen unser Schweizer Memory mit - danke Tanja! - und koennen ihnen so etwas mehr von unserem Land erzaehlen. Sie sind beeindruckt, dass wir ein Alphorn und kein Digeridoo haben, dass eines unserer Brote Zopf heisst und nicht Damper, dass wir Schnee auf unseren Bergen haben und keinen roten Sand:o) Wir schaffen es sogar, ein Lied in jeder unserer eigenen Sprache zusammen zu singen - ein Durcheinander aus besonderenn Lauten, Toenen, Silben und doch eine Einheit. Zwischendurch werden wir immer wieder umarmt, sie suchen unsere naehe, wir fuehlen uns zum ersten Mal dieser Kultur dank ihnen etwas naeher. Dann moechten wir eigentlich gehen, unsere eigenen Sachen noch erledigen, bevor wir weiter noerdlich weiterziehen. Doch ueberreden sie uns, mit ihnen am Nachmittg in der Turnstunde teilzunehmen. Wir machen mit, duerfen dafuer am Abend mit ihnen im Schulbus nachhause fahren, damit wir sehen von woher sie kommen, wo sie wohnen - und das bis fast 100 km ausserhalb der Schule!


Ein Durcheinander herrscht im Schulus, der Driver Graham, selber ein Aboriginal, laesst sich nicht aus der Ruhe bringen. Wir sehen, wo die Kinder ausgeladen werden, in ihren Communities, in ein paar heruntergekommenen Haeuser, im Abfall, die einst das Gouvernment ihnen brandneu zur Verfuegung gestellt hat... Viele Familien leben zusammen in einem Haus, wohl so, wie sie frueher irgendwo in der Natur zusammen unter dem Himmel gewohnt haben... Das ist ein anderes Australien, neben der roten Weite, den fein eingezaeumten Haeusern von Alice... Wir winken den Kindern zum Abschied und wuenschen ihnen von tiefstem Herzen, dass das eine oder andere den Schritt in ihre urspruengliche Kultur oder in die des weissen Mannes schafft... Zwischendrin scheint es kein Leben zu geben...


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Als der Schulbus sich nach ueber 70 km geleert hat, Ruhe und Nachdenklichkeit eingekehrt sind, erzaehlt uns Graham von seinen Leuten. Es ist schoen zu hoeren, was und wie er erzaehlt, schoen sich vorzustellen, wie reich diese Kultur einst war und wie es einzelne Komunen gebe, die dieses Urspruengliche immernoch leben - doch nicht sichtbar und zugaenglich fuer uns, den weissen Mann... Mich beruehrt, wie er von seinem Land spricht, das nicht ihm gehoert, zu dem er gehoert. Dass sie mit Tieren in Einklang gelebt haben, vielleicht auch noch leben, mit ihnen diesen Platz geteilt haben, noch teilen. Wie sie Sorge zur Natur getragen haben, von ihr ausgeliehen haben, nie genommen. Wussten, dass dies ihr Ueber-Leben ist und auch dies fuer ihre Kinder... My People, sagt er immer und immer wieder... Ihm zuzuhoeren und durch die gluehende Abendstimmung zu fahren, laesst mich ihre Kultur so vorstellen, wie ich sie mir einst zuhause vorgestellt habe... Angekommen in Alice - angekommen in der Realitaet.

 

 

  • East Macdonnell Ranges - 24.-26.05.2008

Um Geraldton - einmal mehr - noch etwas mehr Zeit zu geben, um mit uns in Kontakt treten zu koennen, bevor wir wieder im Outback und abgeschlossen von der technischen Welt sind, fahren wir auf die andere Seite der Macdonnell Ranges. Hier gefaellt es uns besser, hier fuehrt nicht ein "riesen" Highway hin, sondern im Vergleich ein duennes Straesschen, dass die Tagesausfluegler von Alice nicht alle auf sich nehmen wollen. Wir finden ein Platz fuer unser Zelt in der Trephina Gorge, lernen wieder ein paar aussergewoehnliche Australier kennen und geniessen den Osten dieser Ranges mit ihren Besuchern. Dann versuchen wir uns von unserer eingefangenen Erkaeltung zu erholen - wenn wir nur noch mehr Honig fuer die Milch haetten;o) In der Nacht sitzen wir ums Lagerfeuer, diskutieren mit der Rangerin und anderen Besuchern ueber die Natur und ihre Menschen und sehen Dingos um uns herumschleichen. Beim anschliessenden Geheule bekommen wir Gaensehaut, obwohl es in unseren Schlafsaecken und unter der Decke so kuschelig warm ist...